"In unseren Beziehungen zu Deutschland sind uns Quantensprünge gelungen!"
Dienstag, April 24th, 2007
Interview mit Seiner Exellenz Botschafter des Staates Kuwait Abdulhamid Abdullah Al-Awadhi
ARAB FORUM: Herr Botschafter, die deutsche Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, besuchte vor kurzem Kuwait. Sind Sie mit den Ergebnissen dieses Besuches zufrieden?
Al-Awadhi: In allen Zusammenkünften, die die verehrte deutsche Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel mit kuwaitischen Offiziellen abgehalten hatte, ging es in erster Linie um die Erörterung der neuesten regionalen Entwicklungen. An deren Spitze rangieren die Entwicklungen hinsichtlich des Friedensprozesses im Nahen Osten und der Notwendigkeit, ihn zu aktivieren und auf die richtige Bahn zu setzen. Wir schätzen und unterstützen die Bemühungen der deutschen Kanzlerin um eine diplomatische Lösung der Krise um den Atomprogramm Irans und die Vermeidung einer militärischen Konfrontation, die die gesamte Region in eine gefährliche Situation mit unabsehbaren schlimmen Folgen stürzen könnte. Im Allgemeinen kann man konstatieren, dass der Besuch erneut gezeigt hatte, wie die kuwaitischen und deutschen Sichtweisen hinsichtlich aller Fragen von gegenseitigem Interesse konform sind.
ARAB FORUM: Während der letzten zwei Jahren gab es viele Staatsbesuche in Kuwait, sowohl durch den ehemaligen Bundeskanzler G. Schröder als auch durch mehrere Bundesminister. Auch der Gegenbesuch des kuwaitischen Ministerpräsidenten im Herbst in Berlin 2006 ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Können wir demzufolge von ausgezeichneten Beziehungen zwischen Deutschland und dem Staat Kuwait sprechen?
Al-Awadhi: Doch, das können Sie. Denn der Besuch Frau Dr. Merkel in Kuwait fand nur wenige Monate nach dem Besuch des Ministerpräsidenten Kuwaits, seiner Hoheit Scheich Nasser El-Hamad Al-Ahmad Al-Sabah, in Berlin statt, der eine neue Krönung der hervorragenden kuwaitisch-deutschen Beziehungen darstellt. Diese Beziehungen erleben seit dem Besuch des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Schröder Ende Februar 2005 eine neue Etappe der Zusammenarbeit auf allen Gebieten. Diese Zusammenarbeit spiegelte sich in einer Reihe gegenseitiger Besuche auf Ministerebene wieder. Ich erwähne hier nur beispielsweise die Besuche des deutschen Außenministers, Herrn Steinmeier, und des deutschen Wirtschaftsministers Herrn Glos. Einige Tage nach dem Besuch der deutschen Bundeskanzlerin in Kuwait folgte der kuwaitische Innenminister Scheich Jaber Al-Moubarak Al-Sabah einer Einladung seines deutschen Amtskollegen Herrn Dr. Schäuble und kam nach Berlin. Während dieses Besuches wurde ein Sicherheitsabkommen zwischen Kuwait und Deutschland unterzeichnet. Dieses bringt die Vielfalt der bilateralen Beziehungen und die Mannigfaltigkeit der Kooperationsbereiche zwischen beiden Ländern zum Ausdruck.
ARAB FORUM: Was wäre verbesserungswürdig in den deutschen-kuwaitischen Beziehungen?
Al-Awadhi: Die deutschen Investitionen in Kuwait sind bis heute leider noch bescheiden, obgleich Kuwait der erste arabische Staat war, der seit 1973 in Deutschland investiert. Auch heute zählt er zu den wichtigsten Investoren in Deutschland, sowohl seitens des staatlichen als auch des privaten Sektors. Jedoch trotz der enormen Verbesserung im Umfang des Handelsaustausches zwischen beiden Ländern, der in der letzten Zeit von 800 Millionen US-$ auf 1.400 Millionen stieg, gibt es nach wie vor eine große Lücke in der Handelsbilanz zugunsten Deutschlands. Wir sind der Meinung, dass es noch viele Bereiche gibt, die man zum Wohle beider Länder entwickeln könnte. Das umso mehr, da der Staat Kuwait große Pläne und Projekte auf dem Gebiet der Infrastruktur hat, an denen sich deutsche Firmen stark beteiligen und mit Firmen anderer Länder konkurrieren könnten. Auch bedürfen die Beziehungen auf wissenschaftlicher und kultureller Ebene mehr Förderung und Entwicklung. Gegenwärtig gibt es eine Anzahl kuwaitischer Ärzte, die sich hier in den deutschen Kliniken und Universitäten spezialisieren. Ebenfalls absolvieren in Deutschland einige Angehörige der kuwaitischen Marine Trainings- und Akademie-Kurse. Eine spezialisierte deutsche Gesellschaft errichtete zuletzt in Kuwait ein modernes Institut für berufliche Ausbildung.
ARAB FORUM: Mehr als 90% der kuwaitischen Wirtschaft hängt vom Ölexport ab. Welche Alternativen gibt es für Kuwait, um diese Abhängigkeit zu verringern?
Al-Awadhi: Die Regierung unternimmt große Anstrengungen zur Vervielfältigung der Einkommensquellen, um aus dem Kreislauf der Wirtschaft auszubrechen, die auf einer einzigen Quelle beruht. Es sind viele Maßnahmen in diesem Rahmen durchgeführt worden. Darunter sind die Stärkung der Rolle des privaten Sektors und dessen Umwandlung zu einem wirksamen Faktor innerhalb der nationalen Wirtschaft in der kommenden Zeit zu zählen. Die kuwaitische Regierung hat ein Bündel wichtiger strategischer Projekte beschlossen. Sie sehen bis 2008 u. a. vor: den Bau eines großen Hafens auf der Insel Bubiyan nahe der irakisch-kuwaitischen Grenze mit einem gesamten Investitionsvolumen von 1,13 Milliarden US $. Dessen Bau und Anbindung durch Eisen- und Autobahn wird ihn einer neuen “Seidenstraße” unter den nördlichen kuwaitischen Häfen gleichkommen lassen. Außerdem transferiert Kuwait jährlich 10% der Öleinnahmen einem “Fonds der kommenden Generationen” und bildet damit eine finanzielle Rücklage zur Absicherung des Lebensstandards seiner Bürger nach Abebben der Erdölresourcen. Dies weist inzwischen eine Gesamtsumme von ca. 100 Milliarden US $ aus.
Kuwait praktiziert im internationalen Waren- und Kapitalverkehr ein System frei von Einschränkungen und gilt deshalb als eines der wichtigsten Finanz-, Handels- und Investitionszentren in der arabischen Welt und der Golfregion. Es verfügt auch über enorme Möglichkeiten, die es zur Erreichung weiteren Fortschritts befähigen und es entschieden mehr sowohl direkte als auch indirekte ausländische Investitionen anziehen.