Sultanat Oman: Brücke zwischen Regionen und Kulturen
Mittwoch, Mai 23rd, 2007
Interview mit S. E. dem Botschafter des Sultanats Oman
War Sindbad der Seefahrer ein Omani? Belegt ist es nicht. Aber im Sultanat Oman glaubt man diese Legende gerne. Die Omanis waren immer Seefahrer, die den Indischen Ozean in alle Richtungen überquert haben. Das heutige Oman, seit 1970 regiert von S. M. Sultan Qabus Bin Said Bin Tamur al Said, nimmt diese historische und geographische Rolle auf. Hierüber, sowie über die Balance zwischen Tradition und Moderne des ca. 2,5 Mio. Einwohner zählenden Sultanats, das seit 1744 von der Al Bu Said-Dynastie regiert wird, und über die Beziehungen zu Deutschland sprach ARAB FORUM mit Botschafter Khalifa Bin Ali Al-Harthy.
ARAB FORUM: Excellenz, Oman findet man nicht oft in den Schlagzeilen, von touristischen Aspekten abgesehen. Halten Sie das für einen Vorteil?
Al-Harthy: Die Neuigkeiten aus diesem Teil der Welt sind meist keine guten. Wenn Oman nicht in den Nachrichten ist, außer als Reiseziel, ist alles in Ordnung.
ARAB FORUM: Was ist die Rolle Omans, besonders innerhalb der arabischen Welt?
Al-Harthy: Wir gehören dem Golf-Kooperationsrat (GCC) und der arabischen Welt an. Wir übernehmen unseren Part, wenn wir meinen, dass wir einen Beitrag leisten oder etwas erreichen können. Vieles von dem, was wir unternehmen, findet man nicht in der Presse. Wir machen uns nichts daraus, wenn wir nicht in den Nachrichten vertreten sind. Wir unterstützen alle Initiativen, die unseren Teil der Welt friedlicher und gedeihlicher machen.
ARAB FORUM: Oman ist immer unabhängig gewesen und hat enge Handelsbeziehungen nach Indien und Ostafrika unterhalten. Sieht sich Oman nach wie vor als Drehscheibe für diese Regionen oder als Brücke zwischen den Kulturen?
Al-Harthy: Ich denke, das ist ein Aktivposten. Wir sind ein Land mit Menschen, die sich ihrer Geschichte bewusst sind. Die Omanis sind nach Ostafrika gelangt, nach Indien, sogar bis China. Wir sind das zweite Land der arabischen Welt, das im 19. Jahrhundert einen Botschafter in die Vereinigten Staaten entsandt hat. Wir haben immer noch gute Beziehungen zu den Anrainern des Indischen Ozeans. Wir sind eines der Gründungsmitglieder der Ocean Rim Association for Regional Cooperation (IOR-ARC). Dies ist ein Vorteil, den wir in unserer jüngeren Geschichte genutzt haben, um Positives zu leisten. Ein Prinzip unserer Außenpolitik ist, sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen. Bei allen anstehenden Fragen, versuchen wir immer Lösungen zu finden.
ARAB FORUM: Ist die historische Rolle als Ort zwischen den Kulturen der Grund für eine Politik von Gleichgewicht und Toleranz?
Al-Harthy: Es mag die Geschichte, es mag unsere geographische Lage sein, dass wir diese kulturellen Überkreuzbeziehungen mit unseren Nachbarn unterhalten. Alle, die in Oman gelebt haben, haben den Eindruck gewonnen, dass es ein tolerantes Land mit toleranten Menschen ist. Darauf sind wir stolz. Der wichtige Aktivposten eines Landes sind seine Menschen. Es ist viel wichtiger als das, was die Natur bieten kann.
ARAB FORUM: Was bedeutet Omanisierung?
Al-Harthy: Oman begann 1970 ein moderner Staat zu werden, als Seine Majestät Sultan Qabus Bin Said Bin Tamur als Said an die Regierung kam. Er transformierte Oman in das, was es heute ist. Während dieses Entwicklungsprozesses benötigten wir eine Menge Arbeitskräftepotenzial und Fachwissen aus dem Ausland.
Es war üblich, dass Omanis bevorzugt nur beim Staat gearbeitet haben, weil es sicherer und ergiebiger war. Jetzt ändert sich das Leben.
Kurzum, Omanisierung bedeutet, dass Omanis in allen Bereichen arbeiten, wo früher die Arbeitsmöglichkeiten üblicherweise nur von Ausländern wahrgenommen wurden. Omanis besetzen heute beispielsweise 95% der Arbeitsplätze im Bankensektor, ebenso stellen Omanis die Mehrheit im Bildungsbereich.
Dies ist Teil der Diversifizierung unserer Wirtschaft. Wir müssen Arbeitsplätze für die Jugend schaffen. Für junge Omanis bieten wir Berufsausbildungen in verschiedenen Wirtschaftszweigen.
Gern nehmen wir die Fachkenntnisse Deutschlands und anderer Länder in Anspruch, damit unsere Jugend Fähigkeiten erlangt, dass sie in allen Bereichen arbeiten können. Es ist eine Herausforderung, die Einstellung der Menschen zu verändern, dass sie lieber anderswo arbeiten als beim Staat.
ARAB FORUM: 81 % des Gesamtexports besteht aus Öl und Gas. Wie versucht Oman davon unabhängig zu werden?
Al-Harthy: Regierungspolitik ist, die Wirtschaft zu diversifizieren und den privaten Sektor zu stärken. Wir fördern kleine und mittlere Betriebe, den Tourismus und den Dienstleistungssektor, um die Wirtschaft auszubauen. Wir haben in Teilen Omans Industriegebiete ausgewiesen mit einer gewissen Ausstattung, um Fabriken und Produktionsstätten anzusiedeln. Es gibt größere Projekte, und wir haben den ersten Abschnitt des Hafens von Sohar begonnen, ein Industriehafen. Zuvor hatten wir den Containerhafen in Salalah eröffnet. Viele internationale Investoren und Unternehmen investieren in Oman, einschließlich eines bekannten deutschen Chemiekonzerns mit dem größten Einzelinvestment in der Arabischen Welt über mehr als 400 Mio. US$.
ARAB FORUM: Gehört der Tourismus zu einer der Zukunftsindustrien? Und welchen Tourismus bevorzugt Oman?
Al-Harthy: Wir richten unser Augenmerk auf den Tourismus. Aber es ist unsere Politik, uns nicht für den Massentourismus zu öffnen. Zwischen Tradition und Moderne müssen wir das Gleichgewicht bewahren, um unsere Umwelt und unser Erbe zu schützen und zu bewahren. Wir müssen die Empfindlichkeiten unserer Menschen und ihren Lebensstil beachten. Wenn man nach Oman kommt, wird man an unserer Art, sich zu kleiden, und unseren Bauwerken feststellen, dass wir unsere Traditionen nicht aufgegeben haben. An diesem Gleichgewicht arbeiten wir. In dem wir voranschreiten, möchten wir unsere Traditionen nicht zurücknehmen, während wir uns an das Zeitalter der Globalisierung anpassen. Von Besuchern hörte ich, dass wir uns von Wolkenkratzern zurückhalten sollen. Nichtsdestotrotz entstehen touristische Infrastrukturprojekte, die Hotels, Feriendörfer, Straßen u. a. umfassen.
Wir können eine Vielfalt der verschiedenen Dinge anbieten: schöne und saubere Strände, mehr als 1.000 Festungen und Schlösser, Dünen, man findet grüne Berge, viele Oasen und Dörfer, die Hunderte von Jahren alt sind. Die Omanis sind offen für Fremde. Darauf sind wir stolz. Mehrere Jahre hintereinander, bis 2005, kam der größte Teil der Touristen aus Deutschland. 2006 nahm das Vereinigte Königreich diesen Platz ein. Wir wollen erreichen, dass Deutschland wieder die Nr. 1 wird.
ARAB FORUM: Wie eng sind die omanisch-deutschen Beziehungen?
Al-Harthy: Wir sind füreinander sehr wichtig. Im Allgemeinen sind die arabisch-deutschen Beziehungen sehr dynamisch und die zu den Golfstaaten ganz besonders. Wir möchten, dass diese Dynamik anhält. Um den Nutzen für beide Seiten zu maximieren, arbeiten wir an dieser schwungvollen Entwicklung. Wir stehen kurz vor dem Abschluss zweier Abkommen mit Deutschland zum Investitionsschutz und zur Vermeidung von Doppelbesteuerung. Wir planen, kulturelle Aktivitäten in Deutschland zu unternehmen. Berlin ist eine der kulturellen Hauptstädte der Welt. Wir möchten dies nutzen, um das, was Oman bieten kann, nach Deutschland und besonders nach Berlin zu bringen. Zum Beispiel nimmt im kommenden August das Royal Oman Symphony Orchestra am “young euro classic”-Festival in Berlin teil.
Wir wünschen uns, dass mehr Touristen und Investitionen aus Deutschland nach Oman kommen. Im Mai wird ein Ministertreffen zwischen der EU und dem GCC stattfinden. Im September kommt das Omani-German Joint-Committee in Berlin zusammen. Wir hoffen, dass während der deutschen EU-Präsidentschaft ein Freihandelsabkommen zwischen EU und GCC unterschrieben werden kann. Es wird dem Elan der bilateralen Beziehungen weiteren Schwung verleihen.
Besonders die omanisch-deutschen Beziehungen verlaufen sehr dynamisch. Kanzlerin Merkel hat kürzlich die GCC-Staaten besucht, ihr nächster Besuch in der Golfregion wird Oman einschließen. Außenminister Steinmeier hat Oman besucht, mein Minister war im vergangenen Jahr hier. Im Juni erwarten wir eine Wirtschaftsdelegation. Außerdem waren wir bei der ITB sehr aktiv. Wir möchten mehr omanische Studenten nach Deutschland holen. Ich bin froh, sagen zu können, dass es jetzt eine deutsch-omanische Universität in Oman gibt, eine Kooperation mit der Universität Aachen. Dies beruht auf einer privaten Initiative, die, so denke ich, im nächsten akademischen Jahr starten wird. Dies ist gut, um deutsches Fachwissen zu bekommen, besonders in Ingenieurwissenschaften.
ARAB FORUM: Excellenz, vielen Dank für das Gespräch.