"Wir müssen in die Menschen investieren"
Donnerstag, September 13th, 2007
Interview mit dem Botschafter des Emirats Katar, S. E. Saleh Bin Mohamed Al Nesef.
Spätestens seit sich die Welthandelsorganisation (WTO) 2001 in Katars Hauptstadt Doha traf und die Doha-Runde begründete wurde der Name des kleines Staates auf der arabischen Halbinsel weltweit bekannt. Klein ist Katar aber nur, was seine Einwohnerzahl (ca. 900.000) und seine Fläche (11.437 km²) betrifft. In anderer Hinsicht ist Katar groß. Es verfügt über enorme Öl- und Gasreserven, und die Kataris erzielen eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Die europäische Airbusindustrie wäre ohne die Aufträge aus Katar nicht so erfolgreich, und die freie Presse in der arabisch-islamischen Welt ist nicht ohne den in Doha ansässigen Fernsehsender Al Jazeera vorstellbar. ARAB FORUM sprach über diese Themen mit Katars Botschafter, S. E. Saleh Bin Mohamed Al Nesef.
ARAB FORUM: Exzellenz, Katar hat einen großen Flughafen, den viele Menschen für einen Stopover zwischen Europa und dem Nahen und Fernen Osten nutzen. Welche Gründe gibt es, länger in Katar zu bleiben?
Al Nesef: Katar boomt in vielen Bereichen. Wir haben viel in die Entwicklung der Wirtschaft, der Bildung und anderer Bereiche gesteckt. Deshalb kommen Unternehmen aus Deutschland und anderen Ländern gern nach Katar. Es ist viel zu tun.
ARAB FORUM: 28% der Importe Katars besteht aus Flugzeugen.Warum konzentriert sich Katar so sehr auf die Luftfahrt?
Al Nesef: Wir müssen vieles aus dem Ausland einführen. Unser früherer Flughafen war zu klein, und es war notwendig wettbewerbsfähig zu werden. Viele Menschen, besonders aus Asien, finden jetzt den Flughafen Katars recht komfortabel.
ARAB FORUM: Welche Art von Tourismus möchten Sie gerne nach Katar ziehen?
Al Nesef: Wir haben eine wunderbare alte und reiche Kultur, und darauf möchten wir uns konzentrieren, um den Touristen unsere traditionellen Bräuche zu zeigen. Wir möchten unsere Traditionen nicht verändern. Wir zeigen uns den Gästen, die Katar besuchen, wie wir sind – wie wir essen, wie wir uns kleiden, wie wir leben. Wir können authentische, alte Schlösser zeigen, nichts Künstliches. Massentourismus ist nach meiner Meinung keine Option.
ARAB FORUM: Katar erzielt 62% seines Bruttoinlandsproduktsdurch Gas und Öl. Öl macht 52% und Gas 35% der Exporte aus. Kurzum, Katar ist einer der größten Produzenten weltweit, und die Vorräte reichen noch für Jahrzehnte. In welchen anderen Industriezweigen sieht Katar seine Zukunft?
Al Nesef: Seit Seine Hoheit, Scheich Hamad bin Khalifa Al-Thani,die Regierung übernommen hat, denkt er an die Diversifizierung der Wirtschaft. Deshalb konzentrieren wir uns zum Beispiel auf den Tourismus und auf kleine Unternehmen. Hierbei haben wir die Hilfe deutscher Unternehmen bekommen. Für die Zukunft ist es ebenfalls wichtig, die Jugend auszubilden, sie auf Universitäten zu schicken, so dass das Land von jüngeren, gebildeten Leuten geführt und regiert werden kann. Dafür haben wir Education City gegründet. Anstatt zum Studium ins Ausland zu gehen und um Visaprobleme zu vermeiden, ziehen wir es vor, den jungen Menschen dabei zu helfen, in der Region zu bleiben. Das ist im Übrigen auch für die Familien kostengünstiger.
ARAB FORUM: Gas und Öl haben Katar sehr wohlhabendgemacht. Wie profitiert der Durchschnittsbürger Katars davon und von einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 10%?
Al Nesef: Unsere Regierungspolitik besteht darin, unsere Bürger von solchen Vorteilen wie guter Infrastruktur auf vielen Gebieten, Bildung und Gesundheitsversorgung profitieren zu lassen. Und wir haben eines der größten Pro-Kopf-Einkommen in der Welt. Die Menschen sind Teil des Staates und seiner Zukunft, und über die Zukunft denken wir nach. Das ist sehr wichtig. Wir wissen, dass Öl und Gas eines Tages nicht mehr vorhanden sein werden. Wir müssen in die Menschen investieren.