West-östliche Harmonie
Mittwoch, Dezember 12th, 2007
Nicht jeder verbindet auf Anhieb symphonische Musik mit dem Morgenland. Zu stark ist die Annahme, sie sei ein typisches Merkmal abendländischer Kultur.
Zwei Konzerte boten in diesem Spätsommer die Gelegenheit zu musikalischer west-östlicher Synthese. Young Euro Classic, das mittlerweile etablierte Sommerfestival von Jugendorchestern nicht nur aus Europa, bot im Konzerthaus am Gendarmenmarkt Genuss für Ohren und auch Augen mit dem Königlichen Symphonieorchester Oman. Unter der Leitung des britischen Dirigenten Simon Wright bot es Schostakowitschs Festliche Ouvertüre op. 96 A-Dur, gewissermaßen als europäische Einstimmung. Der Libanese Marcel Khalife spielte in der von ihm selbst komponierten Suite für Oud und Orchester den Solopart der orientalischen Kurzhalslaute, der Oud. Sie wurde durch zu Beginn des 8. Jahrhunderts die Mauren in Spanien zur Hochkultur entwickelt und später durch die Kreuzfahrer weiter auf dem europäischen Festland verbreitet. Das Instrument geht auf verwandte Arten der Laute der Sumerer, Babylonier, Ägypter, Griechen und Römer zurück.
Einem Werk für indische Violine und Orchester, mit viel Elan dargeboten vom Solisten und Komponisten Dr. Subramaniam, folgte als deutsche Erstaufführung „The Blessed Renaissance“, eine Zeitreise von der Thronbesteigung S. M. Sultan Qaboos bis heute, komponiert von Hamdan Al Shuaily.
S. M. Sultan Qaboos ist der Initiator der Gründung des Royal Oman Symphony Orchestra im Jahre 1985. Nur „Wüstensöhne und -töchter“, wie es im Programmheft hieß, werden aufgenommen. Sie wohnen im Internat, in dem sie neben der üblichen Schulbildung eine intensive musikalische Ausbildung erhalten, zumeist durch britische Lehrer. Dass etwa 30 Prozent der Orchestermitglieder weiblich sind, fiel auf. Denn sie sorgten neben dem Ohrenschmaus des Konzertes auch für optischen Genuss durch ihre landestypische Kleidung in den Farben Omans, einem kräftigen Grün und Rot.
Ein farbenfrohes Orchester aus Oman machte neugierig: das Konzerthaus war ausverkauft, der Applaus ausdauernd und die Resonanz in der Berliner Presse beachtlich.
Mit „Beethoven vom Nil“ bot das Cairo Conservatory of Music Orchestra zusammen mit dem RIAS-Jugendorchester einige Wochen später die nächste musikalische Verknüpfung von Orient und Okzident, präsentiert von der Deutschen Welle im Großen Sendesaal des Rundfunk Berlin-Brandenburg. Unter der Leitung des Chedirigenten des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, Ingo Metzmacher, spielten beide Orchester Ausschnitte aus Ludwig van Beethovens 2. Symphonie.
Ivan Filev war zuvor der Dirigent einer Berliner Erstaufführung: „Entizar“ für Laute, Riq (eine arabische Tamburintrommel) und Orchester, ein Auftragswerkes der Deutschen Welle vom ägyptischen Komponisten Mohamed Basha.
Enthusiasmus beim Publikum auch hier für die west-östliche Harmonie.
Text: Rainer Schubert