Omanische Kultur - Übersicht & Ansichten
Mittwoch, Mai 23rd, 2007
Im Jahre 2006 präsentierte “MASKAT, die Kulturhauptstadt Arabiens”, das kulturelle Niveau, das das Sultanat von OMAN nach 35 Jahren sozialen Aufbaus und kultureller Entwicklung erreicht hatte.
Das Sultanat von Oman bestätigte sein Können durch seine Kulturvereine1 und Klubs, Theatergruppen (mit 17 unabhängigen Theaterensembles), 46 Musikbands2, (inklusiv das “Oman Symphony Orchestra”) sowie Volksmusikgruppen, staatliche Bibliotheken3 insbesondere die Bibliothek für Handschriften und Dokumente, die seit ihrer Gründung über 4.300 Schriftstücke gesammelt hatte, deren ältestes auf das Jahr 1228 zurück geht.
Auch die Museen leisteten ihren Beitrag zu den kulturellen Veranstaltungen dieses Jahres, insbesondere das Nationalmuseum, das Museum für Naturgeschichte, das Kindermuseum und das Sultan-Ahmed-Museum. Zu erwähnen sind auch Ausstellungen des traditionellen Kunsthandwerks, die Bücherausstellung und eine Sonderausgabe von einer Reihe Büchern omanischer Autoren mit dem Logo der Kulturhauptstadt. Es war ein Jahr der praktischen Überprüfung all dessen, was das Sultanat Oman auf dem Gebiete Bildung und Ausbildung förderte und realisierte. Diese Leistungen sind umso mehr zu schätzen, da sie von einem jungen Volk vollbracht wurden, das im Jahre 1950 gerade 500.000 Menschen, im Jahre 1980 eine Million zählte und im Jahre 2006 gerade die Zahl von drei Millionen Einwohnern erreichte.
Es war auch ein Zeugnis für die herrschende relative Toleranz, die die Einheit der Bevölkerung in ihrer Mannigfaltigkeit festigte. Denn sie besteht zu 75% aus Omanis (meist Araber, der Rest sind Belutschen, Pakistani, Bengalen, Inder und Philippinos). Im Nordosten des Landes leben auch Omanis mit ostafrikanischem Ursprung (Sansibarer) und sprechen auch Suaheli Dialekt. Die kulturellen Beziehungen zwischen Oman und des im indischen Ozeans Anrainer-Kulturen sind seit der Antike fortlebende und -wirkende Tatsache. Nach der Islamisierung, schon zur Zeit des Propheten, war die erstarkte Seemacht Oman maßgebend daran beteiligt, den Islam nach Indien und China auszubreiten.
Die seit über drei Jahrzehnten vom Sultanat forciert betriebenen archäologischen Ausgrabungen brachten eindeutige Zeugnisse der Geschichte über diese engen kulturellen Wechselbeziehungen. Viele dieser archäologischen Funde sind heute in einheimischen Museen zu besichtigen; sie tragen dazu bei, dass geschichtsbewusste Generationen in Oman in sozialer und kultureller Toleranz aufwachsen. In seinem neu erschienenem Werk über “Omanische Moscheen und Gräber” schrieb der Architekt und Historiker “Paolo Costa”4: “die Islamisch-Ibadische Gesellschaft im Inneren von Oman ist eine harmonische in sich geschlossene Einheit. Das zeigt sich im straffen sozialen Gefüge, das auf der alten Stammesordnung basiert. Sie setzt sich auch geographisch ab, zwischen dem Wüsten und den Küstenregionen.
Dieses, insbesondere das am dichtesten bewohnte Al Batinah-Gebiet, beherbergen eine grosse Anzahl von Gemeinschaften anderer Religionen (Belutschen, Sunniten, persische, indische und aus Bahrain stammende Schiiten sowie eine weitere Sunniten-Sekte im Süden, d.h. im Bezirk Dhofar). Bis vor einem Jahrhundert lebte hier auch, insbesondere in Sohar, eine kleine jüdische Gemeinde;“
Trotz dieser mosaikartig ausgebreiteten Gemeinschaften und der damit verbundenen kulturellen Bereicherung in Sprachen und Literatur, in religiösen Stätten und Gebräuchen bleibt der ibadhische Islam5 die herrschende politische und religiöse Macht in Oman.
Auch die arabische Kultur bleibt die vorherrschende, ohne die anderen Kulturen zu unterdrücken oder sich den internationalen kulturellen Einflüssen zu verschließen. Hiervon zeugen die regen Teilnahmen an internationalen kulturellen Veranstaltungen: die Wirkung von “Salalah-Theater-Company” in September 2004 am Weltkulturfestival in Deutschland und die Teilnahme Omans an der Frankfurter Buchmesse. Von besonderem Wert war auch die Mitwirkung Omans als einziges arabisches Land beim “39. Smithsonian Centre for Folk Life & Cultural Heritage’s Festival”, dem größten Kulturfestival Washingtons. Das Publikum zeigte Großes Interesse an Omanischen Tänzen, Gesängen und Trachten. Auch im Oman selbst ist eine aktive kulturelle Bewegung im Gange: von der Veranstaltung der verschiedenen Festivals für Film, Theater oder Lyrik bis zur kritischen Auseinandersetzung über das Vorherrschende in Kultur und Gesellschaft. Im Lande selbst wuchs eine neue Generation von Intellektuellen, Schriftstellern und Dichtern, die sich engagieren und kritisch mit den alten überholten Denkweisen, Sitten und Gebräuchen auseinandersetzen, die der Gesellschaftsentwicklung im Weg stehen.
Einer dieser aufstrebenden, jungen Intellektuellen ist der omanische Dichter Seif El-Rahbi. Ende März 2007 weilte er in Jeddah/Saudi-Arabien, wo er für sein Wirken geehrt wurde. Anschließend äußerte er sich am 27 März in der arabischen Tageszeitung “Al -Hayat”6 über die Rolle der omanischen Intellektuellen in der omanischen Gesellschaft. Auch setzte er sich mit der Rolle anderer arabischer Intellektuellen in Oman auseinander.
ausgearbeitet von Dr. Isam Haddad
1 Die Regierung unterstützt sowohl einheimische Kulturvereine und -zentren, wie “Cultural Club” und die “Oman Society for Fine Arts” als auch Jene für andere arabische und ausländische Gemeinden.
2 Im Sultanat bestehen 23 Musikschulen.
3 In Oman existieren bis dato auch 48 unabhängige Bibliotheken.
4 Das Buch “Die alten Moscheen und Gräber von Oman” vom Architekten und Historiker Paolo Costa geschrieben, wurde vom “Ministerium für Stiftungen und Religion” herausgegeben, und vom Englischen ins Arabische vom Akademiker Dr. Abdallah Al-Harassi übersetzt.
5 Der ibadhische Islam nahm seinen Anfang im 7. J.H. n. Chr. (d.h. im 1.J.H. der Hidschra) vom Süd-Irak aus und breitete sich aus über weiten Teile des Islamischen Reiches, auch in Mekka und Medina. Mit der Zeit verlor er viel an Kraft und Macht wegen der inneren Auseinandersetzungen und Kämpfe zwischen dem Machtzentrum, dem Kalifen, und den Machtzentren in den Regionen. Allerdings blieb er die vorherrschende politische Kraft und Glaubensrichtung im Inneren des Omans, in Hadramaut (Jemen) und für viele Stämme in Nord-Afrika (von Libyen bis Marokko). In Oman etablierte sich der ibadhische Islam zur herrschenden politischen und religiösen Macht.
6 Seite 26 : Gespräch mit dem Omanischem Dichter “Seif Al-Rahbi” in Jeddah
FAST EIN DRITTEL DER BEVÖLKERUNG SIND SCHÜLER UND STUDENTEN
Im Jahre 2006 waren 75,8% der Bevölkerung im Stande zu lesen und zu schreiben, davon 83,1% Männer und 67,2% Frauen.
Ende 2005 betrug die Gesamtanzahl der Schulen 1.120 (darunter142 Privatschulen). Die Gesamtschülerzahl lag bei 602.000 (davon fast 25.000 auf Privatschulen).
Die Anzahl der staatlichen Lehrkräfte betrug ca.29.000 omanische Frauen und Männer.
Neben der Sultan-Qaboos-Universität mit einer Gesamtstudentenzahl von
13 000 (2004/2005) existieren heute drei Privatuniversitäten: in Nizwa, Sohar und Dhofar, sowie 15 private Fachhochschulen, in denen 13.778 Studentinnen und Studenten im Jahre 2003/2004 eingeschrieben waren.
Zusätzlich befanden sich im akademischem Jahr 2004/2005 ca. 12 820 omanische Studentinnen und Studenten im Ausland.
Zu berücksichtigen sind auch Abertausende von Mädchen und Jungen, die Berufsausbildung in den verschiedensten “Berufsausbildungszentren” genießen, die unter der Aufsicht verschiedener Ministerien stehen und von privaten einheimischen und ausländischen Firmen gesponsert werden.
ALHAYAT: in einem Deiner Artikeln in der Kulturzeitschrift “NIZWA” hast Du den in Maskat lebenden arabischen Akademikern zur Last gelegt, sie seien für den Zerfall der Kultur in Oman verantwortlich; außerdem klang es sehr pessimistisch, wie Du die Möglichkeit eines kulturellen Wiedererstehens in deinem Land in der nächsten Zukunft einschätzt.
AL-RAHBI: Was ich von jenen Landsleuten aus anderen arabischen Staaten, insbesondere Absolventen mancher ägyptischer Universitäten erlebt habe, wirkte in entgegengesetzter Richtung zu dem, was wir vertreten und über die Zeitschrift “NIZWA” und andere Blättern zu propagieren versuchen. Wir haben erwartet und gehofft, dass sie an unserer Seite mit Beiträgen und Vorschlägen für Reformen und Erneuerung unserer von salafitischem Denken beherrschten und in sich gekehrten Gesellschaft stehen. Ihre Beiträge waren sehr negativ. Viele arrangierten sich mit der herrschenden Kultur, die schon längst überholt und wirkungslos ist. Sie stellten sich gegen jegliche Art von Erneuerung und Weiterentwicklung der Omanischen Kultur. Das führte zu heftigen Auseinandersetzungen und Diskussionen über diese Akademiker und deren Rolle in der Kulturszene der omanischen Gesellschaft. Und trotz alledem ist die Aufklärungs- und Erneuerungsbewegung ihren Weg weitergegangen und zu unserer Genugtuung nicht ohne gewissen Erfolg.
ALHAYAT: Wie beschreibst Du Dein Verhältnis zu den omanischen Dichtern und Schriftstellern?
AL-RAHBI: Viele von ihnen, Dichter, Erzähler und Schriftsteller, sind Freunde von mir. Ich würde hier auf eine neue Erscheinung aufmerksam machen: In Oman gibt es eine Gruppe von Schriftstellern, Romanciers und Essayisten, die versuchen, neue Wege sowohl auf Golfs- als auch auf panarabischer Ebene zu beschreiten, was man aufmerksam verfolgen muss. Es gibt Neuland auch auf dem Gebiet der akademischen Forschung seitens sowohl der Akademiker als auch der Professoren der Literatur, nach dem Vorbild in Saudi Arabien und Jemen. In Oman geht es um grundlegende wahrhaftig fortgeschrittene Arbeit, sowohl auf omanischer als auch auf arabischer Kulturebene.
Aus der Zeitung ALHAYAT Nr. 16062 v. 27.03.2007