Algerien: Ein Ziel für Abenteurer
Mittwoch, Dezember 12th, 2007
Die Demokratische Volksrepublik Republik Algerien liegt in Nordafrika und ist durchzogen von gewaltigen Gebirgszügen, die über Schluchten und Plateaus zum herrlichen Atlasgebirge im fernen Süden aufsteigen. Der andere Teil des Landes besteht aus der Wüste Sahara.
Der Name „Algerien“ ist abgeleitet vom Namen der Stadt Algier aus dem arabischen Wort Al-Jaza’ir, was übersetzt „ die Inseln“ bedeutet, Bezug nehmend auf die vier Inseln, die der algerischen Küste vorgelagert waren, bis sie im 16.Jahrhundert Teil des Festlandes wurden.
Auf den Zusammenbruch der Herrschaft der Numider, Römer, Vandalen und Byzantiner folgte das islamische Reich der Berber. Im 16. Jahrhundert besetzten die Türken das Land, und ein paar Jahrhunderte später, durch einen französischen Kolonialfeldzug, geriet das Land 1902 unter französische Vorherrschaft. Nach dem Guerillakrieg (1954 - 1962) der Nationalen Befreiungsfront mit dem Ziel, die Franzosen zu vertreiben, wurde Algerien 1962 unabhängig. Die folgenden Jahre waren jedoch von permanenter Gewalt durch islamische Fundamentalisten bestimmt, welche in einen Bürgerkrieg überging. 1999, nachdem Abdelaziz Bouteflika ohne Opposition zum Präsidenten gewählt wurde, wurde zügig ein Referendum abgehalten, mit dem den Rebellen eine Amnestie angeboten wurde. Die Bevölkerung stimme zu 98% mit „Ja“, und am Ende des Jahres hatte die Mehrheit der Putschisten die Waffen niedergelegt. Präsident Bouteflika ist immer noch in Amt und Würden. Er hat mit Erfolg die angespannte Lage im Land gemildert, einhergehend mit wirtschaftlichem Aufschwung.
Das Rückgrat der algerischen Wirtschaft sind zweifelsohne fossile Brennstoffe. Mit Erdölreserven von 11,8 Mrd. Barrel nimmt das Land weltweit den 14. Rang ein und verfügt über 4,5 Billionen Kubikmeter Erdgasreserven – die achtgrößten der Welt!
Die Landwirtschaft bildet ebenfalls einen bedeutenden Faktor für den Aufschwung des Landes. Ein beachtlicher Teil fruchtbaren Landes wird für den Anbau von Getreide, speziell Hafer, Weizen und Gerste, genutzt. Eine große Menge Gemüse und Früchte (insbesondere Zitrusprodukte), Feigen, Datteln, Oliven, Kork und Espartogras sind für den Export bestimmt.
Die Hafenstadt Algier ist die Hauptstadt. Sie war einst Arabiens schönste Stadt, hat diesen Status jedoch nach Jahren der Gleichgültigkeit und des Missbrauchs durch die Kolonialmächte nicht wieder erreicht. Jedoch gibt es noch einige herrschaftliche türkische Paläste in der Altstadt. Einige interessante Museen sind zu erwähnen, vor allem das Staatliche Museum der Schönen Künste, das Bardo-Museum und das Antikenmuseum. Die Hauptstadt verfügt über eine Universität für Wissenschaft und Technologie und die Universität von Algerien. Schöne Moscheen gibt es zu bewundern, wie die Sidi Abderrahman Moschee, Sidi Mohammed Sherif - und die Djama Djehid Moschee sowie die umfangreiche Nationalbibliothek. Das Märtyrerdenkmal ist eine bemerkenswerte Gedenkstätte mit einer ewigen Flamme zur Erinnerung an den Freiheitskampf. Es wurde 1982 errichtet zum 20. Jahrestag der Unabhängigkeit. Von diesem Denkmal aus hat man den schönsten Blick über die ganze Stadt.
Außer Algier gibt es zwei andere wichtige Städte im Land, zum einen die Hafenstadt Oran mit etwa einer Million Einwohnern. Gegründet im 8. Jahrhundert, wurde Oran zuerst von den Arabern beherrscht, dann von den Spaniern, denenTürken und Franzosen folgten! Der Hafen wurde auch als Landungspunkt für die Alliierten Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg genutzt; in der Nähe befand sich eine französische Marinebasis. Oran ist eine Universitätsstadt und wichtig für den Export und Import von Waren. Interessante Sehenswürdigkeiten sind das Stadtmuseum und die Festung Santa Cruz aus dem 16. Jahrhundert.
Die andere nennenswerte Stadt ist Constantine mit fast 500.000 Einwohnern, die ursprünglich in der Antike als Ciria Qacentina bekannt war. Seit dem 3. und 4. Jahrhundert v. Chr. war sie eine wichtige Stadt und ist die älteste bekannte Siedlung des Landes. Sie war die römische Hauptstadt der Provinz Numidien, wurde 311 v. Chr. durch einen Bürgerkrieg zerstört und durch Konstantin I. wieder aufgebaut. Im Mittelalter war die Stadt der Sitz mehrerer, aufeinander folgender moslemischer Dynastien, blühte unter türkischer Herrschaft im 18. Jahrhundert weiter auf und wurde im 19. Jahrhundert von den Franzosen besetzt. Constantine ist ebenfalls eine Universitätsstadt und bei Touristen wegen ihrer interessante Altstadt sehr beliebt, in der eine herrliche Vielfalt landestypischen Kunsthandwerks, Schmuck, Schuhwerk und Kleidung angeboten wird.
Inmitten Tausender Palmen liegt die Märchenstadt Timimoun mit Blick auf die entfernten Sanddünen und einem alten Salzsee. Sehenswert ist die terrakottafarbene Architektur mit ihren schönen sanften Formen und den weichen Linien, die sich elegant um die Fensterrahmen der Häuser winden. Der berühmte französische Architekt Fernand Pouillon zeichnete in den 1950ern verantwortlich für den Entwurf und den Bau des bekannten Hotels der Stadt, des Gourara. Dieser gefeierte Architekt respektierte immer einheimisches Design und Bautradition, und so hielt er es besonders bei diesem Hotel. Es verfügt über zwei Außenschwimmbäder, die inmitten der Palmen glitzern. Verblüffend ist der Blick von der Terrasse, und zwar am besten, mit einer wahrlich romantischen Atmosphäre, bei Sonnenuntergang. Nahe bei Timimoun liegt das Dorf Tasfaoud, eine kleine Oase mit einem Berberschloss aus dem 13. Jahrhundert.
Wer sich für die Geschichte und Archäologie Algeriens interessiert, sollte nicht versäumen, das hübsche Bergdorf Djemila zu besuchen, um die Ruinen der römischen Stadt Cuicul zu besichtigen, während Batna ungefähr vierzig Kilometer östlich im Auresgebirge noch weit ausgedehntere römische Siedlungen bietet.
Historisch wichtig und sehr gut erhalten ist Tiemcen, gegründet von der Dynastie der Almoraviden, im 13. Jahrhundert eine blühenden und gedeihende Stadt. Nicht versäumen darf man Assekrem, die letzte größere Stadt auf dem Weg nach Niger, wegen ihrer mächtigen Schönheit und spektakulären Sonnenaufgänge von allen Reisenden empfohlen.
In der Region von Souf liegt El-Oued, bekannt als die „Stadt der tausend Kuppeln“. Sie wurden in die meisten Häuser integriert, um sie während der starken Sommerhitze erträglich kühl zu halten. El-Oued ist bekannt für die Produktion erlesener Teppiche, die nach ihrer Fertigstellung meist das traditionelle Kreuz des Soufs tragen. In der Altstadt ist der tägliche Soukh ein faszinierender Ort für einen Bummel, der die Möglichkeit zu einem Einblick in das Leben der Einheimischen bietet.
Tipasa, eine Phönizierstadt, die römischen Ruinen Djemila und Timgad sowie Al Qal’a in Beni Hammad, der ersten Hauptstadt des Hammadidenreichs, stehen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbe, zu dem auch zwei Landschaften zählen, die Gebirgskette von Tassili n’Ajjer und das Kalksteintal M’Zab.
Die besten klimatischen Bedingungen herrschen im Norden Algeriens. Die Sommer sind heiß, können aber auch feucht sein. Die Winter sind mild mit etwas Regen. In der Sahara sind die Sommer extrem heiß, jedoch sinken die Temperaturen während der Nacht stark, so dass es sehr kalt werden kann.
Übernachtungen
Für einen angenehmen und entspannenden Aufenthalt ist das hervorragende Fünf-Sterne-Haus „Sheraton Club des Pins Resort & Towers“ eine gute Wahl. (Sheraton ist Teil der international gerühmten Starwood Gruppe.) Meines Wissens ist es das einzige Fünf-Sterne-Hotel Algiers in Strandlage, an der Westspitze der Hauptstadt in der geschützten und schönen Gegend von Club des Pins gelegen.
Die geräumigen Zimmer und Suiten sind geschmackvoll gestaltet und eingerichtet. Der Service ist so, wie es sich für ein Fünf-Sterne-Hotel geziemt – diskret aufmerksam! Es gibt ein Business Centre, und zur Entspannung verfügt das Hotel über einen komplett ausgestatteten Health Club mit Fitnessgeräten, Innenpool, Dampfsauna und Behandlungsräumen. Für gutes Essen bietet das Sheraton in seinen Restaurants mit Meerblick exzellente algerische und internationale Küche.
Anreise
Von Europa und aus Afrika fliegen zahlreiche Fluggesellschaften nach Algier und anderen algerischen Städten. Ebenso verbinden Fähren Algier und andere Städte im Norden mit Marseille in Frankreich und Alicante in Spanien.
Um beruhigt zu reisen, sollten Sie sicher gehen, dass alle Ausflüge mit einem qualifizierten und registrierten algerischen Reiseleiter durchgeführt werden. Das algerische Tourismusamt oder Ihr Reisebüro können Programme und Führungen vor der Abreise organisieren. Aber auch Ihr Hotel in Algerien kann die erforderlichen Arrangements treffen.
Zusammengefasst: Aus verschiedenen Gründen nimmt Algerien keinen Spitzenplatz im Tourismusgeschäft ein, aber einem erfahrenen Reisenden mit einer unternehmungslustigen Ader würde ich raten: „Fahren Sie hin!“ Die Geschichte dieses faszinierenden Landes kennen zu lernen, bedeutet einen Lernprozess. Man wird von der Reise mit bereichertem Wissen zurückkehren.
Text: David Garson,
Award Winning International Travel and Features Writer
Übersetzung: Ursula Geike-Garson