Neues Antlitz der Kuwait-Wirtschaft und seine Sonderbeziehung zu Deutschland
Dienstag, April 24th, 2007
Gleich nach der Unabhängigkeit von England am 19. Juni 1961 trat Kuwait auf regionaler und internationaler Bühne als wichtiger Finanz- und Wirtschaftsfaktor der freien Weltwirtschaft auf.
Das kleine arabische Land, von 17.820 km², eingebettet zwischen Irak, Saudi-Arabien und dem arabisch-persischen Golf, lebte hauptsächlich früher von Fischerei und Perlenfischerei.
Durch den Erdölreichtum (10 % der Weltreserve = 96 Milliarden Barrel) wurde Kuwait schnell, seit den fünfziger Jahren des 20 Jahrhunderts, zum beliebtesten Einwanderungsland am Golf sowohl für viele Arbeiter, Techniker mal Fachkräfte der Dienstleistungsbranche aus anderen arabischen Ländern und den Ländern Südostasiens. Mit der Verabschiedung der Verfassung am 11. November 1962 wurde das erste “EMIRAT” mit Konstitutionellem Erbfolgesystem in der Arabischen Halbinsel geboren “Dawlat AI-Kuwait”.
Im Laufe der letzten vierzig Jahre wurde ein moderner neuer Staat aufgebaut, dessen strategische Bedeutung am Kopf des arabisch-persischen Golfs nicht zu übersehen ist.Grundlage der rapiden Entwicklung war und ist die Erdölindustrie, besonders nach dem hohem Preisanstieg seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, und dem fortschreitenden immensen Bedarf der Weltwirtschaft an Erdöl und- gas. Während die Erdgasproduktion 8,3 Milliarden m³ ausschließlich im Binnenmarktverbraucht wird (die Reserven Kuwaits betragen 1,572 Trillionen m³), werden aus dem Erdöl 95 % der Exporterlöse erzielt und 80% des Staatseinkommens bezogen. Kuwait produziert 2,418 Millionen Barrel/Tag, davon werden 1,97 Millionen Barrel exportiert.
Die klimatischen Gegebenheiten in Kuwait erlauben kaum eine nennenswerte landwirtschaftliche Nutzung des Bodens (0,4 % des Bruttoinnlandsprodukts im Jahr 2005). Dafür machen die Dienstleistungssektorn 51,6 % und die Industrie 48 % des BiP im selben Jahr 2005 aus. Die Industrie umfasst heute neben der Erdöl und petrochemi-schen Industrie auch die Produktion von Zement und anderem Baumaterial, Schiffsbau und -reparatur, Wasserentsalzungsanlagen und Nahrungsmittelverarbeitung1. Kuwait muss ca. 75 % des Trinkbaren und des für die Haushalte notwendigen Wassers importieren oder aus dem Meereswasser destillieren. Die Zuwachsrate der industriellen Produktion erreichte 13,1 % im Jahr 2005 im Vergleich zu 2004. Die Zahl der Erwerbstätigen2 betrug im Jahr 2005: 1.670.000 Menschen, von denen die Nichtkuwaitis ca. 80 % bildeten mit einem pro Kopf Einkommen von 28.000 US Dollar/Jahr.
Der Geldtransfer der Mehrheit dieser Erwerbstätigen in deren Herkunfsländer bildet immer noch einen wichtigen Wirtschaftsentwicklungsfaktor. Zur Förderung der wirtschaftischen Entwicklung vieler dieser Länder (arabische und islamische, in Asien oder in Afrika) trat der Staat Kuwait nicht selten selbst auf, des öfteren aber auch im Rahmen des Golfkooperationsrates (GCC).
Der Staat Kuwait verfügte nämlich im Jahr 2005 über eine Reserve, in ausländischer Währung sowie in Gold, von 8.972 Milliarden US Dollar. Der jährliche Überschuss betrug ca. 40 Milliarden US $ (bei einem Haushalt von 90 Milliarden Einkommen und 50 Milliarden Ausgaben). Im selben Jahr brachte der Export von Erdöl und petrochemischen Produkten ca. 120 Milliarden US Dollar, und der Import4 von Nahrungsmitteln, Baumaterial, Transportsmitteln und Ersatzteilen sowie Kleidung erreichte ca. 35 Milliarden US Dollar.
Besondere Erwähnung im Dienstleistungssektor der kuwaitischen Wirtschaft verdienen die Handelsflotte und das Kommunikationssystem:
Die Handelseeflotte führt unter kuwaitischer Flagge 38 Schiffe: 21 Öltanker, fünf Flüssiggastanker, sechs Containerschiffe sowie ein Kargo-, zwei Bulk- und 3 Viehfrachter”. Die übrigen 28 Schiffe fahren unter Flaggen anderer Länder und sind dementsprechend registriert.
Das Kommunikationssystem ist eines der höchstentwickelten und weitverbreiteteten in der Region. Im Jahr 2005 waren es: 510.300 Festnetzverbindungen und 2,38 Millionen Mobiltelefonnutzer. Und von 2,310 Millionen Internetsurfern benutzen ca. 700.000 regelmäßig das Internet. Kuwait verfügt über sieben Flughäfen, fünf Helikopter-Landeplätze sowie sechs Häfen und marine-Verladestationen.
Die kuwaitisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen und die wirtschaftliche Ausrichtung Kuwaits
Kuwait war der erste arabische Staat, der in die deutsche Wirtschaft investiert hat. Gleich nach der Unabhängigkeit 1961 kaufte der Staat Kuwait 13 % der Aktien von Daimler-Benz. Und heute besitzt die Investitionsbehörde ”Kuwait Investment-Authority (KiA)” 7,3 % der Aktien vom Daimler-Chrysler Konzern und steht damit an zweiter Stelle gleich hinter der Deutschen Bank (10% der Aktien). Die “KiA” besitzt heute auc h Anteile von Thyssen - Krupp, Hoechst u.a. sowie Anteile an manchen Banken wie der Dresdner Bank .
Auch die kuwaitische Privatwirtschaft beteiligt sich an vielen deutschen Unternehmen. Wenn die deutschen Investitionen in der kuwaitischen Wirtschaft minimal blieben, so sind auch die Handelsbeziehungen zugunsten der deutschen Wirtschaft bis jetzt gelaufen. Die Importe der deutschen Wirtschaft aus Kuwait steigt zwar im Vergleich zu früheren Jahren, bleibt jedoch minimal im Vergleich zu deren Export in den kuwaitischen Markt. Diese stiegen zwischen 2000 und 2005 um 110 % und erreichten damit 1,2 Milliarden US Dollar. Damit rangiert die BRD auf den2. Platz hinter den USA in der Tabelle der Exporteure nach Kuwait. Und so kommt Kuwait an 4. Stelle der Importeure aus der BRD in die arabische Welt (hinter VAE, Saudi Arabien und Ägypten). Importiert werden hauptsächlich: Fahrzeuge, Maschinen, Ausrüstungen für Infrastruktur der Kommunikations- und Energiewirtschaft. Und seit 2004 beschäftigt sich die “NTEC” (National Technology Enterprises Company), eine Tochtergesellschaft der “KiA” mit Technologie-Transfer, auch aus der BRD in den arabischen Raum, speziell nach Kuwait. Schwerpunkte bei der Ansiedlung von innovativen Firmen in Kuwait liegen in den Bereichen Telekommunikation5 und Biotechnologie (einschließlich der Stammzellenforschung).