OMAN - Wirtschaft im Wandel
Mittwoch, Mai 23rd, 2007
Oman war den Sumerern in Mesopotamien 3.000 Jahren v. Chr. schon bekannt. Archäologische Funde haben nachgewiesen, dass die alten Omanis die Vorkommen von Kupfererzen in ihrem Siedlungsgebiet gekannt und zu verschiedenen Objekten verarbeitet haben. Pfeilspitzen aus Kupfer hat man im Zweistromsland, andere Objekte sogar in einigen alten indischen Königsreichen gefunden. Alle diese Objekte waren Handwerkserzeugnisse aus Oman.
Seit je her war der Handel mit Weihrauchharz wohl bekannt; er wurde gewonnen aus den Weihrauchbäumen in Dhofar, ein Staatsbezirk des heutigen Sultanat von Oman. Diese Rolle im Handel zwischen Vorderem Orient und dem indischen Subkontinent, zwischen West-, Südost- und Ostasien wuchs weiter mit der Ausbreitung der islamischen Herrschaft im 7. Jahrhundert, und „SOHAR“ wurde das wichtigste Handelszentrum, dessen Kontakte bis nach China und Ostafrika reichten.
Diese Rolle im Handel im indischen Ozean erkannten die Portugiesen in ihrer Expansion nach Indien, und besetzten die Küstenstädte von Oman vom 16. bis zum 18. Jhdt. Nach der Befreiung stieg Oman als arabische Seemacht im indischen Ozean wieder auf; ihr Einfluss reichte bis zur ostafrikanischen Küste.
Heute, nach Jahrhunderten und Beginn der Erdöl- und Gasförderung richtet sich der Handel hauptsächlich Richtung Süd- und Südostasien.
Mit dem Amtsantritt von Sultan Qabus Ibn Said im Jahre 1970 begann eine neue Ära, eine der Machtkonsolidierung durch Aufbau eines neuen Staates auf der Grundlage einer moderne statt der alten zurückgebliebenen, primitiven und feudalen Wirtschaft.
Dieses Vorhaben wurde ermöglicht durch stetig wachsende Einnahmen durch Export von Erdöl (seit 1967) und Erdgas (seit 1978). Man investierte massiv in der Entwicklung über sukzessive Fünfjahrespläne auf den Gebieten:
Infrastruktur und Ausbau der Erdöl und -gasindustrie, sowie Förderung des Bergbaus, der Landwirtschaft, der Fischerei und nicht zuletzt des Handels und des Tourismus;
Aufbau eines modernen Bildungssystems mit Schulbildung, Berufsausbildung und akademischer Weiterbildung für Einheimische. Das ganze System wird allen Bürgern kostenlos angeboten. Dafür wurden 2005 ca. 15 % der staatlichen Gesamtsausgaben aufgewendet;
Aufbau eines Gesundheitssystems auf modernstem, international vergleichbarem Niveau. Es steht allen Bürgern des Staates kostenlos zur Verfügung.
Heute, nach Beginn des siebten Fünfjahresplanes (2006-2010) kann das Sultanat von Oman mit Stolz auf das Erreichte zurückblicken.
Auf einer Fläche von ca. 310.000 km² sind seit 2005 fast alle Orte auf asphaltierten Strassen erreichbar. Das sind insgesamt 3.000 km, davon fast 800 km Autobahn. Dadurch sind die Mobilität der Menschen weitgehend erleichtert, die Einheit des Binnenmarktes gefordert, die Schulbildung sowie Berufsaus- und Weiterbildung, Existenzfürsorge insbesondere medizinische und soziale Betreuung erheblich verbessert worden; Lebensstandard und -qualität wurden auf ein hohes Niveaus gehoben (Das pro Kopf-Einkommen erreichte 14.200 US $ im Jahre 2006). Das Sultanat wird auch von ca. 7.000 km langen Pipelines zur Förderung und Verschiffung des Erdöls (3.405 km) sowie des Erdgases (4.072 km) durchquert.
Wenn die Finanzierung des ganzen wirtschaftlichen und sozialen Aufbaus bisher dem Staatseinnahmen aus dem Erdölexport1 zu verdanken ist (Dieser machte bis 2006 ca. 85 % des gesamten Exports des Landes aus) so wird das Erdgas als Zukunftsvision betrachtet2. Diese Aussicht drängt sich wegen nachlassender Produktivität der Erdölfelder und der bis jetzt bekannten knappen Erdölreserven. Deswegen verfolgt die Regierung von Oman große Pläne und unternimmt große Investitionen in die Erdgasexploration, Förderung, Verarbeitung und Diversifizierung seines Einsatzes im Energieverbrauch im Lande selbst 3. Gegenwärtig werden ca.17,2 Milliarden m³ Erdgas produziert. Davon werden ca. 10,43 Milliarden m³ exportiert .Die Gasreserven wurden (bis 2005) auf 829 Milliarden m³ geschätzt.
Das Sultanat Oman war einer der 14 Erdgas exportierenden Länder 4, die in der Hauptstadt des Golfsemirats Katar „Doha“ am 09 April 2007 einen Interessenten-Vertretung unter dem Namen „GECF“ gründeten. Diese Organisation soll künftig nach dem Vorbild des „OPEC- Kartells“ (Erdöl produzierende und exportierende Länder) funktionieren.
Die Industrie Omans beschränkt sich nicht auf die Exploration von Erdöl und Erdgas und deren Verarbeitung (Raffination bzw. Verflüssigung und der Petrochemie) sondern umfasst auch den Bergbau. Dieser Sektor spielt seit der Antike eine große Rolle in der Wirtschaft von Oman. Heute umfasst er die Gewinnung von Kupfer, Chrom, Nickel, Eisen, Gold und Silber; auch nichtmetallische Mineralien wie Gips und Kalkstein werden abgebaut und in der einheimischen Zementproduktion verwendet. Hochwertiger Marmor wird auch gewonnen, im Inland verkauft und teilweise exportiert. Große Lagerstätten von Steinkohle wurden im Osten des Landes nachgewiesen (in AL-Askkarah). Doch mit deren Abbau hat man noch nicht begonnen.
Die Industrie machte (im Jahre 2006) 39 % der BIP aus, mit einer Wachstumsrate von 5,9 % (gegenüber dem Vorjahr). Im selbem Jahr, und mit dem Beginn des 7. Fünfjahresplanes, wurden Abkommen unterzeichnet für eine Reihe von industriellen Großprojekten im Gesamtwert von ca.12 Milliarden US$; die meisten dieser Projekte werden im “Industriepark von „Sohar” entstehen. Zurzeit umfasst die Industrie im Sultanat Oman etwa 4.700 Betriebe, in denen fast 15.000 omanische Frauen und Männer arbeiten.
Seit 2004 wurde vom Staate eine Reihe von Industriestandards für Industrielle Güter verbindlich herausgegeben, um deren Wettbewerbsfähigkeit auf inn- und ausländischen Märkten zu fördern. Nicht nur die Omanisierung von Arbeitsplätzen und manchen Betrieben wird vom Staate gefördert, sondern es wird auch die Privatisierung in der Industrie vorangetrieben: neben der Investitionen u.a. in der Energieproduktion und –verteilung schlossen privatwirtschaftliche Firmen auch Verträge für Megaprojekte im Industriesektor in “Sur Salalah und Sohar” (mit Beteiligung von internationalen Investoren)ab. Davon sind zu nennen: “Sohar Refinery Co.”, Sohar International Urea & Chemical Industries”, “Oman Methanol Co.”, “Sohar Power Co.” und Sohar Aromatics Co.”. Auch ein Aluminiumwalzwerk, eine Eisengießerei, Polyethylen-, Polyprophylen- und Stahlfabriken werden gebaut.
Um seine Intervestitionen in der Wirtschaft zu koordinieren und zu erleichtern, entwickelte der Staat gewisse Instrumentarien wie die “OOC” (Oman Oil Co.), die 1992 als 100 % staatliches Unternehmen mit dem Hauptziel gegründet worden war, Investitionen im Energiesektor innerhalb und außerhalb Omans zu tätigen und die staatlichen Einnahmen zu diversifizieren. So erwarb sie 49 % der Anteile von “BP Oman” Ende 2002, und “das Omanoil” kam als neue Marke (Oktober 2003) auf den Markt. Im August 2001 gründete die “OOC” die (Oman Gas Co.) oder abgekürzt “OGC” als eine geschlossene AG im Gassektor: 20 % gehören dem “OOC”, und 80% dem Ministerium für Öl und Gas. Diese “OGC” besitzt wiederum die Gastransporteinrichtungen im Lande, welche hauptsächlich die Energiekraftwerke und weitere kleinere Verbraucher im Lande mit Gas versorgen, wie Industriebetriebe im Salalah-Industriepark, “Omani-India Urea Fertiliser Co.” in Sur sowie petrochemische Betriebe in Sohar. Außerdem beteiligte sich die “OOC” mit 20 % (neben 80 % vom Finanzministerium) an der “OSC” (Oman Shipping Co.) die das Flüssige Erdgas (Liquid Natural Gas- LNG) zu den Verbrauchermärkten transportiert, und heute über eine Flotte von 7 LNG-Tankern verfügt (im Jahre 2008 kommt die Nr. 8 dazu).
FISCHEREI & LANDWIRTSCAFT
Die Fischerei ist die älteste Einkommensquelle in Oman (2006 etwa 2,6 % des BIP). Damit ist sie der zweitwichtigste, nicht mit Erdöl zusammenhängende Wirtschaftssektor. Vom Arabisch-Persischen Golf und dem Golf von Oman, über das Arabische Meer bis in dem Indischen Ozean erstreckt sich eine 2.092 km lange Küstenlinie von fischreichem Gewässer. Es werden nach jährlich vorgegebener Fangquote (144.400 t im Jahre 2004) besonders Thunfisch und Haie gefangen. Fisch aus Oman wird gerne im In-und Ausland verzehrt, und somit ist er ein beliebtes Exportgut. Zurzeit sind fast 33.000 lizenzierte Fischer tätig, mit ca.14.000 Booten. Die Regierung fördert mittels finanzieller Hilfe sowie Schulung.
Im Jahre 2005 sind zwei Ausbildungszentren in Salalah und Al-Bourah sowie ein Fischfarm eröffnet worden. Priorität genießen Renovierung und Modernisierung der Fischmärkte sowie die Fertigstellung von 14 Fischerhäfen.
In der Landwirtschaft arbeiten ca. 200 000 Omanis; das erklärt die große soziale Dimension, die mit diesem Wirtschaftsektor zusammenhängt. Denn die nutzbare Fläche ist sehr klein und umfasst ca.720 km². Es gibt im Land um die 200 000 landwirtschaftliche Betriebe: 52 % für den Anbau von Nutzpflanzen, 31 % für die Viehzucht, 16 % für Nutzpflanzen und Viehzucht und 1 % für Nutzpflanzen, Vieh- und Geflügelzucht. 93 % des Verbrauchs an Datteln und Früchten, sowie 64 % des Bedarfs an Gemüse wird von der einheimischen Produktion gedeckt. Neben 8 Millionen Dattelnpalmen gibt es im Oman auch 390 000 Mangobäume und tausende Kokospalmen (im Bezirk Dhofar) sowie Zitronenbäume. Nur an einer einzigen Stelle wird Kaffee in nennenswerter Menge angebaut: “Wadi Samail”(Ismail Tal), das den Jabal El Achdhar (der grüne Berg) in zwei Züge teilt: Ost und West.
Durch die breit angelegte tierärztliche Betreuung und Immunisierungsprogramme stieg der Viehbestand auf ca. 2 Mio. Tiere (Rinder, Schafe, Ziegen, Kamele und Geflügel). Damit stieg auch die Produktion an Fleisch, Milch und Eiern.
Der Wasserversorgung wird große Aufmerksamkeit geschenkt. Der Wasserbedarf steigt ständig für Mensch, Gesellschaft und Landwirtschaft.
Die vorhandenen Reserven (127.000 Quellen) mit seltenem Niederschlag (ca.100 mm/Jahr) reichen gerade, um 65 % des Wasserbedarfs zu decken.
Deswegen war es unvermeidbar, neue Ressourcen zu erschließen:
aus dem Meereswasser mittels Meereswasserentsalzungsanlagen;
aus neu gewonnen Grundwasserquellen durch ein breit angelegtes Programm neuer Bohrungen;
nach angefertigten Studien durchgeführte Bohrungen brachten tatsächlich neue Quellen mit Trinkwasserqualität (in Wadi Rawnat sowie in der Wusta Region) und andere mit nur für landwirtschaftliche Zwecke tauglichem Wasser.
Außerdem wird Aufklärungsarbeit verschiedenster Art organisiert, um den Wasserverbrauch zu rationalisieren. Andererseits wurde ein ganzes technisches Netzwerk von Dämmen, Talsperren und Deichen errichtet, um sowohl Grundwasser als auch Regenwasser optimal zu schützen und anzuwenden.
Somit hat Oman heute neben Deichen, die vor Hochwasser und Überflutungsgefahr durch starke Regenfälle (Monsungefahr) schützen, auch 52 Talsperren und 24 Grundswasseranreicherungsdämme mit einer Gesamtkapazität von 77,8 Millionen m³.
Ein integriertes System von 4.000 Messstationen landesweit sorgt für ständige Aufzeichnung der Niederschläge und damit zur ständigen Kontrolle, Analyse und Bewertung der Wassersituation.
Ob zur Bewässerung der Felder oder zur Leitung von Trinkwasser über weite Entfernungen, über Berge und bis in die Täler verfügt Oman seit über 1.500 Jahren über ein zusammenhängendes ausgedehntes Kanalsystem; es besteht aus 4.000 Einheiten, von denen bis heute 3.017 noch in Betrieb sind. Sie werden “AFLAAJ” genannt. Die Regierung kümmert sich planmäßig um die Instandhaltung; d.h.:
Reparaturarbeiten an den Kanälen selbst;
Bohren nach neuen Quellen oder Ausgraben nach neuen Nebenflüssen oder Becken, um den Wasserspiegel im Kanalsystem zu erhöhen.
Wie und wann dieses System einzusetzen ist, wird von der Höhe des Wasserspiegels, der Menge der Niederschläge sowie von der Verbraucherquote abhängen.
Der Handelssektor
Der Dienstleistungssektor war im Jahre 2006 mit 58,7 % am BIP (Bruttoinlandsprodukt) beteiligt. Für die Zukunft der omanischen Wirtschaft ist ihrer Diversifizierung entscheidend; und hier ist der Handel als Hauptträger zu betrachten. Die fortlaufende Omanisierung des Binnenhandels und der kleinen Verbrauchermärkte, das weitere Ansteigen des Konsums mit dem weiteren Anstieg des Lebensstandards wird zum Anstieg des Imports der gefragten Konsumgüter führen. Viel wichtiger für die Diversifizierung der staatlichen Einahmen und überhaupt der omanischen Wirtschaft ist die Förderung sowohl des Exports, insbesondere des Reexports von Gütern aus den Freihandelszonen, die man aufzubauen im Begriff ist (die erste wurde in Salalah schon 2006 im laufe des 7. Fünfjahrplanes in Betrieb genommen).
Im Verlauf des Jahres 2004 exportierten über 200 omanische Industriebetriebe ihre Produkte. Abgesehen von der Ölausfuhr, gingen die meisten Exporte in die VAE und andere Golfstaaten. Rund 20 % der in Oman hergestellten Waren werden nach Asien und 18 % in die USA exportiert. Die strategisch vorteilhafte Lage von Oman an den wichtigen Seefahrtsrouten hat heute wie früher eine enorme Bedeutung für den Handel in dieser Region. Das Sultanat ist eifrig dabei, seine Häfen zu erweitern und zu modernisieren und die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbe-dingungen für einen florierenden Außenhandel zu schaffen (seit 2006 ist Oman Mitglied der WTO).
Heute, mitten in der zweiten Phase der nationalen Entwicklung (1996-2020) setzt das Sultanat von Oman, Mitglied des (GCC), weiter seinen Weg, um die Hauptziele dieser Phase zu erreichen wie sie in der dafür gefassten Studie “2020 Vision of Omans Economic Future” vorgesehen ist:
Diversifizierung der Nationalen Einkommensquellen, wachsende Beteiligung des Privatsektors an Entwicklungsprojekten und die Schaffung eines günstigen Investitionsklima.
ausgearbeitet von Dr. Isam Haddad
1 Die Rohöl-Reserven betragen 4.800 Millionen Barrel (Stand von 2006). Davon entfallen 92,4 % auf die PDO Petroleum Development Oman, die 1967 gegründet wurde. Sie kontrolliert heute die gesamte Erdgasförderung. Zu 60 % gehört sie dem Staate Oman, zu 30 % der Dutsh/Shell-Gruppe, zu 4 % dem Totalkonzern und 2 % Patex.
2 Die Erdöleinnahmen sanken von 74 % der Gesamteinkünfte des Staates auf 65% aufgrund der fallenden Produktivität der Ölfelder. Jedoch stieg gleichzeitig der Beitrag der Erdgaserlöse auf ca. 1 Milliarde US.$. Das heißt eine Steigerung um 47 % im Jahre 2005 im Vergleich zum Vorjahr.
3 Z.B. Industriebetriebe in Salalah-Industriepark sowie Petrochemische Betriebe in Sohar.
4 Diese Staaten verfügen über 70 % der weltweit erkundeten Erdgasvorkommen und fördern heute 40 % der international geförderten Erdgasmengen.