Damaskus – Kulturhauptstadt der Arabischen Welt 2008
Dienstag, November 18th, 2008
Die Zwischenbilanz nach einem dreiviertel Jahr ist für Generalsekretärin Dr. Hanan Kassab-Hassan positiv. Hochkarätige Veranstaltungen aus allen Bereichen von Kunst und Kultur kommen gut an, und das Kulturjahr ist Aktionsrahmen vieler Intellektueller Syriens.
Die Eröffnung des Kulturjahrs fand am 19.1.2008 auf dem Omayyadenplatz für die Bürger und im “Dar Al Assad for Culture and Arts” in einer offiziellen Zeremonie mit Staatspräsident Assad und geladenen Gästen statt, zu denen auch Amr Moussa, Generalsekretär der Staaten der Arabischen Liga, gehörte.
Zu den Höhepunkten der Eröffnungsgala zählte ein Konzert des Nationalen Symphonieorchesters mit westlichen und arabischen Stücken und Lesungen aus Werken von Dr. Nadia Khost, wegen ihres unermüdlichen Einsatzes für den Erhalt der Altstadt von Damaskus im Land bekannt und geschätzt. “Ich habe 20 Bücher über mein Land und seine Nachbarn und speziell über Damaskus veröffentlicht, und seit fast 30 Jahren verfasse ich regelmäßig eine Kolumne für “Tishrin” (=Oktober), eine der großen Tageszeitungen von Damaskus. Ganz wichtig ist, die Worte richtig zu wählen. Ich war die erste, die gegen die Zerstörung der Altstadt kämpfte. Um modern zu sein, muss man das Traditionelle und seine Identität bewahren und die Umwelt achten. Nur schreiben nützt allerdings nichts, man muss etwas tun. Entscheidungen “von oben” habe ich angegriffen und so konkrete Zerstörungen verhindert durch Briefe an den Präsidenten. Aber ich bin auch über Mauern geklettert, habe fotografiert und dokumentiert. Heutzutage ist es sehr schwer, traditionelle Dinge zu zerstören, denn mittlerweile gibt es Gesetze, die das verhindern. Die Tatsache, dass aus meinen Werken bei der Eröffnung gelesen wurde, sehe ich als Anerkennung an”, so Dr. Nadia Khost.
Bisher standen auf dem Programm: Innovative Musik aus Syrien, Libanon, Türkei und Algerien, Gemäldeausstellungen im Nationalmuseum, darunter eine Retrospektive von den Anfängen der Malerei und Bildhauerei im Jahr 1899 bis zur Eröffnung der Fakultät für Kunst an der Universität Damaskus in den 1960-er Jahren. Werke von 50 Künstlern – Pioniere der Kunst, die inzwischen verstorben sind – waren in drei Galerien der Stadt zu sehen, eine bisher nicht gekannte Aktion, die in ihrer Aussagekraft über die Entwicklung der Kunst in Syrien einen starken Eindruck hinterließ. Der Tunesische Oud Spieler Anonar Braham war zu Gast, beim Damaszener Kammerkonzert hatten die syrischen Musiker keinen geringeren Anspruch, als die Kluft zu schließen zwischen Syrern und den in Syrien lebenden Ausländern, Britische Kunst der Jahre 1940-1950 war Thema, das Folkwang Tanzstudio war im April zu Gast, und eine Kalligrafie-Ausstellung mit Exponaten aus dem Nationalmuseum und der Nationalen Assad-Bibliothek begeisterte die Besucher. Innerhalb des Programms der internationalen Theateraufführungen gab es eine Dostojewski-Aufführung von Peter Brook, dem berühmten britischen Theater- und Filmregiseur. Mitte Juli fand in der Zitadelle von Damaskus die “World Music Night” statt mit bekannten internationalen Solisten und Gruppen.
Im während des Kulturjahrs überquellenden, beliebtesten Kaffeehaus mit dem traditionellen Geschichtenerzähler am Fuß der Treppe bei der Omayyaden-Moschee ist Mahmoud Shahin Stammgast und Galerist. “Ich wurde 1948 in Jerusalem geboren, lebe aber seit über 20 Jahren in Damaskus. Meine Erzählungen haben die Leiden des palästinensischen Volkes zum Inhalt, meine Malerei mit kalligrafischen Elementen wurde als Dialog zwischen Morgen- und Abendland bezeichnet.” Der palästinensische Maler, Schriftsteller und Journalist ist auch in Europa bekannt, im Jahre 2000 hatte er eine Ausstellung in Berlin. Im Prozess seiner künstlerischen Entwicklung hat er geistige Wandlungen durchgemacht. “Ich war Widerstandskämpfer und Atheist, aber jetzt bin ich zur religiösen Tradition meines Volkes zurückgekehrt.” Gefragt nach seiner Meinung zum Kulturjahr meint er: “Ich finde es gut und besonders die internationalen Veranstaltungen sind für die Syrer, die nie die Möglichkeit haben, ins Ausland zu reisen, ein Gewinn. Sie werden davon noch in vielen Jahren sprechen”.
Das Programm wird monatlich veröffentlicht. Themen sind: Kunst, Archäologie, Film, Wissen, Musik, Theater. Die lokalen Medien berichten über Aufführungen, Ausstellungen, Workshops und Konzerte und kündigen die beliebten Nationalen Folkloregruppen der arabischen Länder an, die bis Ende 2008 alle da gewesen sein werden.
Informationen unter:
www.damascus.org.sy
Von Barbara Schumacher