Salz des Südens - Kunst und Kultur in Jordanien
Mittwoch, Mai 27th, 2009
Die königliche Familie hat die große Bedeutung von Bildung, Kunst und Kultur für das Land und seine Bürger erkannt. Prinzessin Sumaya Bint El-Hassan, Tochter von Prinz El-Hassan Bin Talal und Präsidentin der Princess Sumaya University of Technology, ist regelmäßig präsent, wenn es um die Eröffnung von Buchausstellungen oder anderen kulturellen Aktivitäten geht, und Prinzessin Wijdan Ali, Universitätsprofessorin, Spezialistin für Islamische Kunst, Autorin und Botschafterin Jordaniens in Rom, ist Präsidentin der königlichen Kunstgesellschaft und des ausgezeichneten Kunstmuseums. Die Welt zusammenbringen auf der Ebene interdisziplinärer Themen und die Achtung menschlicher Würde durch Respekt vor der Kultur sind Prinzipien von Prinz Hassan: “Wir lassen uns von den Fundamentalisten die Freude am Leben, an Kunst und Kultur nicht verderben und nutzen jede Gelegenheit, mit Buchausstellungen, Malerei, Film und Folklore ganz bewusst unser kulturelles Erbe zu zeigen”.
Die Hauptstadt Amman und die nahe gelegene alte Römerstadt Jerash sind Hochburgen kultureller Veranstaltungen, zu denen sich in den letzten Jahren noch der Platz vor dem Schatzhaus in Petra gesellte. Ob Folkloretanz der Gruppe Ramtha mit Kostümen aus Ramtha im Norden Jordaniens und der Aufführung von Dabke (Hochzeitstanz) im Innenhof der architektonisch interessanten City Hall (neben dem im Bau befindlichen neuen Jordan Museum, das mit japanischer Hilfe entsteht), arabische Musik vor der Kulisse des Römischen Amphitheaters, das jährliche Jerash Festival mit vielen Veranstaltungen auf der Bühne des antiken Südtheaters, die sehenswerten Ausstellungen im Kunstmuseum oder zeitgenössische Kunst in zahlreichen Galerien, bei denen die Geschichte der Häuser die Geschichte Ammans spiegeln, … man hat als Interessierter für Kunst und Kultur die Qual der Wahl.
Kunst und Diplomatie: Prinzessin Wijdan Ali
Das Kunstmuseum wurde durch einen zweiten, gegenüber liegenden Bau erweitert, der die ständige Ausstellung zeitgenössischer jordanischer Künstler beherbergt – auch viele Werke der Prinzessin. Im ursprünglichen Bau gibt es wechselnde Ausstellungen von Künstlern aus aller Welt. “Zur Ausstellung eines berühmten spanischen Malers war das spanische Königspaar zur Eröffnung angereist”, so Prinzessin Wijdan Ali in ihrem Büro im Museum. Sie ist die Präsidentin des Museums, Kunstprofessorin an der Universität, Gastprofessorin an zahlreichen Universitäten im Ausland, Expertin für islamische Kunst, Kultur und Philosophie. “Nach Beendigung meiner Tätigkeit als Forschungsdirektorin und Vizepräsidentin des Jordan Institute of Diplomacy habe ich im Dezember 2001 das College of Arts and Design gegründet und den Posten des Dekans bekleidet. Mein Ziel war, ein College aufzubauen, das mit möglichst wenig Bürokratie und möglichst wenig Hürden für die Studenten auskommt.” Die Aufnahme in das College ist mit einem High School Diplom möglich, außerdem muss man eigene Kunstwerke der letzten zwei Jahre präsentieren, einen Test und ein persönliches Interview bestehen. Maler und Bildhauer können sich künstlerisch voll entfalten. Ein Komitee von fünf bis sieben Fachleuten prüft die Arbeit, und der Abschluss orientiert sich hauptsächlich an der Qualität der künstlerischen Werke – er entspricht einem Ph. D. Das System funktioniert so gut, dass das College of Architecture dieses System übernommen hat. “Ich bin wirklich stolz darauf, die Bürokratie überwunden zu haben. Bei uns zählt nur die Arbeit. Im Juni 2006 war die erste Graduierten-Klasse fertig. 65 Studenten, die Musik, Theater, Video Kunst, Malerei, Bildhauerei, Grafik und Töpferei studiert hatten, machten ihren Abschluss, und seitdem sind es natürlich viele mehr.”
Auf die Frage nach ihrer künstlerischen Entwicklung meint sie: “In den letzten Jahren hat sich mein Stil in Richtung Kalligrafie entwickelt. Außerdem bin ich mehr und mehr vom Sufismus beeinflusst. Am Sufismus interessiert mich die Toleranz. Ich interessiere mich zunehmend für Poesie und erinnere mich an die Geschichte, als sich in vorislamischer Zeit die Menschen einmal im Jahr an der Kaaba trafen und die sieben besten Gedichte an die Wand der Kaaba auf lange Papierbahnen gehängt wurden. Das hat mich zu meinen “hängenden Papieren” als Installationen inspiriert. Ein Exemplar davon hängt im Museum.” – Neben ihrem Engagement für die Kunst spielte die diplomatische Karriere eine Rolle. Sie war die erste Frau im Außenministerium und die jüngste Diplomatin, und seit Oktober 2006 ist sie als Botschafterin des Haschemitischen Königreichs Jordanien in Rom tätig.
Kunstgalerien in Amman
Kunstgalerien schießen wie Pilze aus dem Boden. Vernissagen sind seit Jahren Medienereignisse, über die auch die englischsprachige Tageszeitung “Jordan Times” regelmäßig ausführlich berichtet. Ausgezeichnete Galerien sind Dar Al-Anda und Makan, die älteste, größte und bekannteste Galerie Ammans sowie die Khalid Shoman Foundation – Darat Al Funun, in spektakulärer Hanglage, untergebracht in drei Gebäuden aus den zwanziger Jahren des 20. Jhdts auf dem Gelände der archäologischen Überreste einer Byzantinischen Kirche aus dem 6. Jhdt. mit atemberaubendem Blick über das ursprüngliche Amman.
Suha Shoman, Ehefrau des verstorbenen Stifters, die sich mit Video-Kunst einen Namen machte, zieht es nach Petra: “Ich will mich nach Petra zurückziehen und dort neue Kraft schöpfen”, meint die Künstlerin vor dem Portrait des Stifters, einem bekannten Bankier. Gefragt nach einer der interessantesten Ausstellungen im Haus meint sie: “Das war “Discoveries in Beidha, Scrolls of Petra und Safaitic Stones” mit Skulpturen, Steinen mit nabatäischen Gravuren und einigen der berühmten, verkohlten, aber lesbaren Papyrusrollen, die in den neunziger Jahren in der Byzantinischen Kirche mit den Mosaiken in Petra von Amerikanischen Archäologen entdeckt wurden. Insgesamt umfasst die Entdeckung 152 Papyri, datiert von 528 bis ca. 578 n. Chr. Die Papyri enthalten Informationen zum sozialen und ökonomischen Leben in der Nabatäerstadt. “Die Entdeckung war eine Sensation, weil man bis dahin angenommen hatte, dass es ein byzantinisches Petra nicht gegeben hat”. Im Bereich der Gemäldeausstellung ist Hakim Jamain’s Kunstgrafik unter dem Titel “Salz des Südens” zu sehen. – “Petra ist meine Liebe”, so der jordanische Künstler über die Nabatäerstadt. “Wenn ich in Petra bin und dort male, erfinde ich neue Methoden, und bei der Betrachtung der Felsen kommen mir neue Ideen. Ich setze mich in die Natur, höre den Vögeln zu, lasse die Stille auf mich wirken und male im Stil einer Art Symbolismus, den ich in Petra überall sehe – auf den Felsen, im Sand und wenn ein Beduine auf einem Kamel reitet.”
Von Barbara Schumacher