Oryx, Luxus und Oasen – Tourismus im Emirat Abu Dhabi
Sonntag, Februar 15th, 2009
Mit Ausnahme von Flüssen hat das Emirat Abu Dhabi landschaftlich vieles zu bieten: 200 natürliche Inseln, von denen die Desert Islands gerade erschlossen werden, kilometerlange Strände, künstliche Seen, Wüste mit hohen, roten Sanddünen, die Liwa Oasen und den Jebel Hafeet bei Al Ain – ein mystisches Bergmassiv. Auch Besucher, die sich für Kultur interessieren, kommen auf ihre Kosten, denn die Förderung des Kulturtourismus steht auf der Prioritätenliste der Regierung ganz oben.
Abu Dhabi Stadt
Abu Dhabi Stadt ist die elegante, pulsierende Hauptstadt des gleichnamigen größten und reichsten der sieben Emirate und des ganzen Landes und wird wegen der vielen Parks auch “Gartenstadt” genannt. Viele Besucher von Abu Dhabi zieht es als erstes zur neu gestalteten Corniche mit gepflegtem öffentlichem Badestrand, wenn sie nicht in einem der Luxushotels mit eigenem Strand wohnen. Das westliche Ende der Corniche markiert das derzeit als “Kulturtempel” fungierende Emirates Palace Hotel. In der Nähe des Intercontinental Hotels besuche man die Al Bateen Dhau-Werft, in der noch heute, in fast unveränderter Technik wie seit Jahrhunderten, von meist indischen Arbeitern in Handarbeit Dhaus hergestellt werden, die man in allen möglichen Baustadien sehen kann. Gleich nebenan entsteht ein neues Touristenzentrum in traditioneller Bauweise. Wer sich für die emiratischen Traditionen interessiert, sollte das lebhafte Heritage Center mit Museum auf der Wellenbrecher-Halbinsel besuchen. Dort kann man bei der Anfertigung seines Souvenirs von erstklassigen Kunsthandwerkern zuschauen und das traditionelle Leben life erleben, inklusive Vorführungen von Musik und Tanz der Nationalen Folkloregruppe. Keinesfalls versäumen sollte man den Besuch der folgenden Sehenswürdigkeiten:
Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan Moschee
Sheikh Zayed, “Vater der Nation” genannt, hat die Ende 2007 eingeweihte Moschee selbst geplant: ein Symbol von Gastfreundschaft, Offenheit und Tradition, für Besucher aus aller Welt und Angehörige aller Religionen zugänglich. Der Prachtbau aus weißem Marmor liegt zwischen Abu Dhabi Flughafen und Abu Dhabi City. Nach der Al-Haram Moschee in Mekka und der Hassan II Moschee in Casablanca steht sie im Hinblick auf Größe und Fassungsvermögen weltweit an dritter Stelle. Über 40.000 Gläubige finden Platz in einem Gebäude, das im traditionellen Stil der Innenhofmoscheen erbaut wurde, mit Schatten spendenden Arkaden, 4 Minaretten, einer 70 m hohen großen Kuppel über dem Hauptgebetsraum und weiteren 81 Kuppeln, die sich über das Gebäude verteilen, dem weltweit größten Svarovski Kronleuchter der Welt und einem handgearbeiteten Teppich aus Iran, der 5.627 qm groß und 47 Tonnen schwer ist und als größter Teppich der Welt gilt. In Glaswände und -türen sind künstlerische Blumen-Motive eingearbeitet, die Marmorsäulen zieren realistische Blumenmosaiken, Reliefblumen verschönen Innenwände – sehr ungewöhnlich für eine Moschee, in der noch etwas auffällt: die Räume sind taghell. Für Kuppel, Teppich und Kronleuchter gibt es die Eintragung der Moschee ins “Guinness Buch der Rekorde”. Das benachbarte Sheikh Zayed Mausoleum ist nicht zugänglich.
Al Hosn Fort – einziger historischer Bau
Der berühmte und von Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan, dem am 2. November 2004 verstorbenen Staatsgründer hoch geschätzte britische Forscher, Abenteurer und Schriftsteller Sir Wilfred Thesiger, der sich in den 40-er Jahren des 20. Jahrhunderts, aus den Liwa-Oasen kommend, auf dem Kamel der Stadt näherte, fand nur das damals wie heute weiße Fort vor, das sich aus dem Wüstensand erhob und vereinzelt einige Barasti-Hütten aus Palmmaterial.
Als das Fort 1793 von Sheikh Shakhbut Bin Dhiyab Al Nahyan, der Abu Dhabi von 1793 bis 1816 regierte, erbaut wurde, hatte es eine quadratische Form mit zwei Rundtürmen um einen großen Innenhof. In dem Korallensteingemäuer fanden Einheimische Schutz und es diente zeitweise als Herrscherpalast. Sheikh Zayed lies im Innenhof zwei weitere Gebäude bauen: einen Palast für die Familie und ein Haus für Verwaltungszwecke. Seit 1984 gehört die Anlage, die heute einem Fort innerhalb eines Forts ähnelt, zum Areal der Kulturstiftung mit sehenswerten Kunstausstellungen und wird als Dokumentationszentrum genutzt. Das Fort steht auf der Liste der UNESCO-Kulturdenkmäler. Es gibt den Plan, das Original-Mobiliar, das sich derzeit verstreut in zahlreichen Palästen befindet, wieder hierher zurückzubringen und die Räume des Forts als Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Falkenklinik mit Museum
Der Falke ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten wichtiger Bestandteil der Kultur und Tradition. Die Falkenjagd in der Wüste ist äußerst beliebt – bei jung und alt. Auch Falken können krank werden und dann wissen die Besitzer, was zu tun ist: der “Patient” wird in die größte Falkenklinik der Welt gebracht, gelegen in der Nähe des Flughafens Abu Dhabi. Leiterin ist Dr. Margit Müller, Veterinärmedizinerin aus Deutschland. In Abu Dhabi liegen die Preise für gute und gesunde Falken bei etwa 20.000 bis 50.000 Euro. Die Falkenklinik wird auch dazu genutzt, Falken vor dem endgültigen Kauf auf Krankheiten untersuchen zu lassen, um sicher zu gehen, für den hohen Preis einen wirklich gesunden Falken zu bekommen. “Alle Bevölkerungsschichten besitzen Falken. Die Kunden der Klinik sind daher sowohl bescheiden lebende Beduinen als auch Mitglieder der regierenden Familie Al Nahyan”, so Dr. Margit. Gäste sind in der Falkenklinik willkommen, für sie gibt es ein unvergessliches Programm. Anmeldung: www.falconhospital.com unter “tourism”
Al Ain
Sheikh Sultan bin Tahnoun Al Nahyan, Chairman der Abu Dhabi Authority for Culture and Heritage (ADACH) hat einzelne Sehenswürdigkeiten in und um Al Ain, der Heimatstadt von Sheikh Zayed als UNESCO Weltkulturerbe vorgeschlagen. Begründet wird das mit den wertvollen archäologischen Stätten, den Naturreservaten und den architektonischen Besonderheiten der historischen Gebäude und vielen Forts, die dank Sheikh Zayed erhalten blieben. Das schönste und größte Fort Jahili wurde gerade renoviert und beherbergt nun eine ständige Ausstellung mit den berühmten Schwarz-Weiß-Fotos von Sir Wilfred Thesiger mit Motiven des Lebens in den Emiraten in den 1940-er Jahren. Die Bewohner von Al Ain sind stolz darauf, noch die Traditionen zu wahren, wie traditionelle Hochzeitsfeiern, Gastfreundschaft der Beduinen, traditionelle Jagd, den Gebrauch traditionellen Handwerkszeugs, etc. Besucherattraktionen sind die Oasen, die Museen, Hili Park sowie die in der Nähe gelegenen Befestigungen und Gräber der Hili Zivilisation und die Gegend um den 1.200 m hohen Jebel Hafeet, ein isoliert stehendes, 25 Millionen Jahre altes, 13 km langes, spektakuläres Felsmassiv mit einmaliger Flora und Fauna und prähistorischen Fundstätten und Fossilien. Auf einer der Bergspitzen gibt es ein 5-Sterne Mercure Hotel. Eine weitere Attraktion sind die Thermalquellen um die mit einem grünen Pflanzteppich bewachsenen Felsen der “Green Mubazarah” – eine weitere Initiative von Sheikh Zayed, sein Emirat grün zu machen.
Desert Islands – Sir Bani Yas
Die 87 qkm große, etwa 250 km von Abu Dhabi City entfernte Insel ist die neueste Touristenattraktion und war bis zur Eröffnung des einzigen Hotels der Insel, des Luxushotels der thailändischen Anantara-Kette, im Oktober 2008 exklusives Ziel von Mitgliedern der herrschenden Familien und Heimat von 17.000 einheimischen und exotischen, teilweise vom Aussterben bedrohten Tieren. Das Konzept von TDIC (Tourism Development and Investment Company) sieht einen gemäßigten Ökotourismus vor, der sicherstellt, dass das über 40 Jahre gewachsene Naturreservat unberührt bleibt. Als Sheikh Zayed im Jahr des Antritts seiner Präsidentschaft die Insel zum ersten Mal besuchte, war er von dem ursprünglich nur aus Sandwüste und bizarren, mineralhaltigen Felsformationen im Innern des Eilands so angetan, dass er beschloss, daraus ein Naturparadies zu machen und vom Aussterben bedrohte Tiere, wie Arabian Oryx, anzusiedeln. Geologen erforschten die Jahrmillionen alte Salzdominsel. Archäologen sind seit April 1992 auf der Insel tätig. Deutsche Touristen stehen als Zielgruppe der Marketingstrategen an erster Stelle. “Sie wissen am meisten den Luxus von Stille zu schätzen, sie lieben Natur und Tiere und können an solch einem Ort wieder neue Energie tanken”, so übereinstimmend Lars Nielsen, TDIC-Marketing Manager für die Desert Islands und Andre Erasmus, General Manager des Desert Islands Resort & Spa. Die deutschen Gäste können sich in ihrer Heimatsprache verständlich machen – dafür sorgt Philipp Reutener, der Resident Manager des Hotels.
Das Inselabenteuer beginnt mit der Anreise von Abu Dhabi im Wasserflugzeug. Wer nicht nur die Zeit im Traumhotel mit Riesenpool und Spa verbringen will, der kann – im Package inbegriffen - zu Kajakfahrten durch die Mangroven aufbrechen, Schnorcheltrips unternehmen, um Seeschildkröten und Delphine zu beobachten oder zu Mountainbike Touren durch die rot, violett und orangefarbene mineralhaltige Felslandschaft der Salzdome starten. Vogelfreunde werden sich an zahlreichen Vogelarten und Flamingos erfreuen. Höhepunkt ist die Safari zu 38 Giraffen, Gazellen, Antilopen und vor allem zu der riesigen Herde von 4.000 Exemplaren der Arabischen Oryx, die zu den größten der Welt gehört. Alle Tiere haben auf der Insel “Vorfahrt”. (www.desertislands.com)
Liwa Oasen
Die Wüste grünt und blüht. In Gewächshäusern gedeiht jede Art von Gemüse, vor allem Gurken. Zig-tausende km Wasserschläuche machen es möglich. Renovierte Forts ziehen Besucher an. - Jedes Jahr ist Tel Mureeb, nahe der sonst ruhigen Liwa Oasen, Schauplatz eines Events, das seinesgleichen sucht: zumindest, was die Umgebung angeht: Am Fuß von Tel Mureeb, einer der höchsten Dünen der Welt (296 m), geht es sechs Tage lang um traditionelle und moderne Wüsten-Sportarten unter der Schirmherrschaft von Sheikh Mansour Bin Zayed al Nahyan. Es soll das größte Sportevent des Mittleren Ostens sein, bei dem sechs Sportarten an sechs aufeinander folgenden Tagen gepflegt werden: Schießsport, Falkenjagd, Pferde- und Kamelrennen, Motorrad- und Geländewagenrennen. Teilnehmen kann jeder über 18, der die Regeln akzeptiert. Motorräder stehen zum Verleih zur Verfügung, so dass auch Touristen teilnehmen können. Zur Unterhaltung gibt es abends Musik und Feuerwerk. Rechtzeitige Reservierung im 28 km entfernten Liwa-Hotel ist zu empfehlen. Wer sich für eine Wüsten-Safari in dieser Gegend interessiert, kann Safari-Spezialist Gulab anrufen: 050-3254741.
Text und Fotos:
Barbara Schumacher