Marrakesch - Das Juwel des Königreichs Marokko
Dienstag, September 8th, 2009
Die Geschichte Marokkos geht bis in die Zeit der Römer zurück, als das Land noch ein Teil der römischen Provinz Mauretanien war, bevor es im fünften Jahrhundert unter die Herrschaft der Vandalen fiel. Die Vandalen waren ein germanischer Volksstamm, der während der ersten vier Jahrhunderte vor Christus In Regionen südwärts aus Skandinavien und der südlichen Ostesseküste wanderten. Sie plünderten Rom und hinterließen eine breite Spur der Zerstörung, was zu der heutigen Bedeutung des Wortes Vandalismus führte. Zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert stand das heutige Marokko unter der Herrschaft von Berber-Dynastien und wurde unter den Portugiesen zum Stützpunkt von Berber-Piraten (1415 bis 1759). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ein französisches und ein spanisches Protektorat aufgeteilt, wurde es 1923 zur internationalen Zone Tanger, 1956 zum Sultanat und ein Jahr später zum Königreich unter König Mohammed V, der 1961 wiederum von seinem Sohn Hassan II. am Thron abgelöst wurde, dem an seinem Todestag am 30. Juli 1999 sein Sohn Mohammed VI. auf den Thron folgte.
Marokko ist das Tor nach Afrika: exotisch, überraschend und spannend. Es gibt goldene Strände, schneebedeckte Berge, tiefe Schluchten und die wandernden “Sandmeere” der Sahara. Man kann die Annehmlichkeiten der modernen Seebadeorte, wie beispielsweise in Agadir, genießen oder, wie ich, das Juwel des marokkanischen Königreichs besuchen - Marrakesch, die kaiserlichste Stadt des Landes. Hier findet man antike Festungsmauern, interessante Paläste, Moscheen und Gärten. Die Altstadt ist ein Labyrinth aus orientalischen Märkten und Gassen, während im neuen Teil der Stadt, von Jakarandas und Orangenbäumen gesäumte, breite, elegante Alleen dominieren.
Einer der faszinierendsten Orte in Marrakesch ist der Marktplatz Djeema el Fna, auch bekannt unter dem Namen “Platz der Geköpften”- woher der Name kommt weiß ich nicht genau, aber unter uns gesagt, lieber Leser, ich habe eine Vermutung was der Grund für diesen unheimlichen Namen sein könnte. Aber keine Angst, heutzutage ist dieser Platz voller Besucher, die von Akrobaten, Gauklern, Wahrsagern und unzähligen Wunderheilern angelockt wurden. Außerdem gibt es einen Touristen umwerbenden, Turban tragenden Schlangenbeschwörer zu sehen, der neben einem hochgiftigen Skorpion, der über seine herausgestreckte Zunge krabbelt, Angst einflößende Giftschlangen zur Schau stellt. In einer anderen Ecke des Marktes steht der Geschichtenerzähler mit seinen Fabeln über eine dämonische Frau, bekannt unter dem Namen Aisha Kandisha, die einen Mann mit einem Fluch belegen kann, der ihn in einen ewigen Junggesellen verwandelt. Als verheirateter Mann frage ich mich, ob es ein Fluch sei, Junggeselle zu sein? In der Nähe gibt es eine Gruppe von Musikern, die muschelbesetzte Hütchen tragen und sich wie die Derwische drehen und herumwirbeln. Diesen Musikern, den Gnaouas, wird nachgesagt, sie seien mit magischen Kräften beschenkt, als Gegenleistung für ein Bündnis mit der Geisterwelt. An den Bazar angrenzend, gibt es echte Souqs, auf denen man in vielen und unterschiedlichsten kleinen Läden alle Wunder der Region finden wird: Krummdolche aus Silber, reizend bestickte Ledertaschen, luxuriöse Hochzeitsschuhe, traumhafte Vorleger und Teppiche, traditionelle Töpferware und Keramik, ebenso wie ein breites Angebot an künstlerisch gestalteten Tischen mit aromatisch duftenden Holzintarsien.
Auf dem belebten Ragba Kedima Place verkaufen Händler, angeblich zu medizinischen Zwecken, getrocknete stachelschwänzige Eidechsen und Bürsten von Stachelschweinen, angeblich als kosmetische Hilfe gedacht. Das alles in einem Areal, in dem in früheren Zeiten Sklaven gehandelt wurden. Heutzutage singen Kräuterheiler Lobeshymnen auf die Aphrodisiaka Orangenblütenwasser und Spanische Fliege.
Noch zum Souq gehört die Färbergasse mit ihren überwältigenden Reihen prächtig gefärbten Garns, das zum Trocknen aufgehängt ist. Bedauerlicherweise werden die Handwerker dieses alten Gewerbes schrittweise von den Souvenirverkäufern verdrängt, vermutlich da der Verkauf von Souvenirs lukrativer ist. Selbstvergessen sitzt in einer der angrenzenden Gässchen ein Sufi, Mitglied einer mystischen islamischen Sekte, entstanden im 8. Jahrhundert vor Christus, umgeben von einer riesigen Menge Rosenblüten, die von der Sekte als die Inkarnation des himmlischen Parfums angesehen werden.
Nicht zu vergessen ist ein Besuch des maurischen Gebäudes aus dem 14. Jahrhundert, bekannt als die Medersa Ben Youssef, das früher als Koranuniversität diente und heute ein Museum beherbergt. Ansprechend gestaltete von Arabesken geschmückte Fliesen und Weinranken, auf die Stuckmauern des Hauses gemalt, erinnern an die Architektur, die während der Blütezeit des Islam in den spanischen Städten Cordoba, Sevilla und Granada gedieh. Früher hatten hier die intelligenteren marokkanischen Männer, die den Koran schon auswendig gelernt hatten, die Sunnitische Theologie des Islam studiert. Viele von ihnen wurden im Anschluss ins Berber-Hinterland geschickt, um islamische Missionare oder Juristen zu werden. Die Pracht der Medersa verdanken wir der arabischen Dynastie aus dem Süden des Landes, bekannt geworden unter dem Namen Beni Saad. 1591 eroberten die Saadis das Handelszentrum Timbuktu, wodurch diese Dynastie zu sagenhaftem Reichtum kam, was ihnen wiederum ermöglichte, das Saadische Mausoleum, das “Juwel der Kasbah”, im prunkvollen spanisch-maurischen Stil zu errichten.
Ebenfalls lohnt sich eine Exkursion zum Berg Toubkal, der mit seinen mehr als 4.000 Metern der höchste Berg Nordafrikas ist. Es dauert etwa zwei Stunden, um mit dem Bus das malerische Berber-Dorf Imlil zu erreichen. Dann muss man sich auf eine lange strapaziöse Reise durch das Atlas-Gebirge gefasst machen, wobei der Weg über das historische Dorf Aremd führt, auf dem Gipfel eines Felsens gelegen und mit dem Grab des legendären, islamischen Predigers Sidi Chamharouch. Er konnte angeblich böse Geister vertreiben und Unfruchtbarkeit heilen. Bevor man die Spitze des Berges erreicht, stößt man auf Schneefelder und Gebirgspflanzen. Wenn man weiter aufsteigt, hat man eine wunderschöne Aussicht auf die vielen Bergketten und Hochebenen und erreicht schließlich der Berg Toubkal im großartigen Atlas-Gebirge.
Zurück in Marrakesch, darf man nicht versäumen, eines der vielen volkstümlichen Restaurants zu besuchen, um ein typisch marokkanisches Essen mit gebratenem Lamm, direkt aus dem Kohleofen, zu verkosten. Während man sein Abendessen genießt, lassen einheimische Reiter mit ihren Araber- und Berberpferden den Staub in den Strassen aufwirbeln.
Unterkunft
Wenn man sich selbst etwas gönnen will, ist das elegante Hotel “La Mamounia” zu empfehlen, im Herzen Marokkos und inmitten eines üppig bewachsenen tropischen Garten gelegen, umgeben von Festungsmauern aus dem 12. Jahrhundert. Der Geschäftsführer und sein engagiertes Personal rühmen sich, ihren Gästen mit traditioneller marokkanischer Gastfreundschaft zu begegnen. Das Hotel ist außerdem dafür bekannt, ein Treffpunkt für Berühmtheiten aus der ganzen Welt zu sein, the good, the bad and the ugly.
Einem Luxus-Hotel angemessen, gibt es das italienisches Restaurant “L’Imperial” für venezianische Spezialitäten und die großartigen klassischen Gerichte. “L’Orangerie” ist spezialisiert auf hervorragende französische und internationale Küche. Im “Les Trois Palmiers” am Rande des Pools kann man ein exotisches Mittagsbuffet genießen. Um traditionell marokkanisch zu speisen, sollte man das Restaurant “Le Marocain” mit seiner typisch maurischen Atmosphäre ausprobieren, wo man allabendlich von einer andalusischen Band und echten Bauchtänzerinnen unterhalten wird.
Zum Hotel gehört eine Pianobar, in der man entspannend einen Aperitif bzw. Degestif geniessen kann, ein Ballsaal, der Platz für 300 Konferenzteilnehmer bietet, eine elegante Ladenzeile, Health Club, Massage, Sauna, Türkisches Bad, Schönheitssalon, Golf, Tennis- und Squashplätze, Swimming Pool und vieles mehr.
Ich glaube sicher, dass Marrakesch ein perfektes Ziel für einen entspannenden Urlaub ist, der etwas Besonderes bietet.
David Garson
Preisgekrönter Autor internationaler Reise- u. Kulturreportagen
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