Masdar City - die "grüne Stadt"
Sonntag, Februar 15th, 2009
Masdar bedeutet “Ursprung”. Als die Welt im November 2007 mit konkreten Plänen für Masdar City überrascht wurde, titelten die nationalen Medien: “Green City” und “Cool City”. Westliche Kommentatoren kamen nicht ohne das Wort “Utopie” in den Überschriften aus. Futuristische Planungen sollen in Masdar City Realität werden. Die Stadt der Zukunft lebt von erneuerbaren Energien. Luftverschmutzung und CO2 Ausstoß werden hier Fremdworte sein. Ab 2016 ist Masdar City bezugsfertig. 50.000 Einwohner werden hier einmal leben.
Die Utopie nimmt reale Gestalt an. Unternehmen aus aller Welt sehen gute Chancen, das Thema der erneuerbaren Energien in einem immer weiter boomenden Wirtschaftsmarkt für sich zu nutzen – in einem weltweit einmaligen Projekt, in dem internationale Investoren und Ökologie-Spezialisten hoch willkommen sind. Baubeginn von Masdar war im Februar 2008. Der Entwurf der Stadt stammt von Lord Norman Foster. Sogar Arbeitsplätze in Deutschland wird Masdar schaffen: In Erfurt entsteht eine Solarfabrik, die 2009 mit der Produktion beginnen wird.
Neuland auf allen Ebenen
Die Masdar Initiative, wie das Projekt auch heißt, ist ein Multi-Milliarden Dollar Investment in die Entwicklung und Kommerzialisierung innovativer Technologien hinsichtlich erneuerbarer, alternativer und nachhaltiger Energien und nachhaltigen Designs. Masdar wird von der Abu Dhabi Future Energy Company (ADFEC) gesteuert. Hinter ADFEC steht die Investmentfirma Mubadala Development Company, die zu 100 Prozent der Regierung des Emirats Abu Dhabi gehört. Als größte Einzelinvestition dieser Art wurde im Januar 2008 von der Regierung die Investitionssumme von 15 Milliarden US-Dollar angekündigt, inzwischen ist von 22 Mrd. US-Dollar die Rede. Mubadala hat im Juli 2008 eine Partnerschaft mit dem amerikanischen Giganten General Electric (GE) unterzeichnet. Das 50/50-Abkommen sieht ein 8 Milliarden US-Dollar Joint-Venture in Abu Dhabi vor. In erster Linie sollen neue, umweltfreundliche Technologien entwickelt werden, die in Masdar City zum Einsatz kommen werden.
Masdar City wird – zwischen Wasseraufbereitungsanlagen und Ölraffinerien auf einer Fläche von sechs Quadratkilometern gelegen – eine autofreie und kohlendioxidfreie “grüne Stadt”, die bei sämtlichen ökologischen Themen neue Wege beschreitet. Die Fortbewegung innerhalb der Stadt wird mit völlig neuen Systemen erfolgen. Müllentsorgung wird es nicht geben, denn der Müll wird weiterverwertet. Die Temperatur in der Stadt wird deutlich kühler sein als in der sie umgebenden Wüste: möglich macht dies eine besondere Bauweise und verdunstendes Wasser. Die gesamte Energie liefert ein Solarkraftwerk, am Rand der Stadt gelegen. Geplant ist ein riesiges Forschungszentrum für erneuerbare Energien, in dem die entwickelten Lösungen als Modelle zu bestaunen sein werden. Dr. Sultan Al Jaber, CEO von ADFEC, freut sich über die neue Rolle: “Bisher hat Abu Dhabi Technologie importiert. Mit Masdar werden wir nicht nur Exporteur der neuesten Technologien, sondern auch Forschungszentrum. Mit dieser ersten kohlendioxidfreien Stadt der Welt wollen wir das Verständnis von Energie und den Gebrauch von nachhaltigen Rohstoffen in der Welt verändern. Eines Tages werden alle neuen Städte auf diese Art gebaut werden”.
Um Investoren nach Masdar City anzulocken, ermöglicht das Konzept der Freizone für Unternehmer 100 Prozent der Anteile zu halten, ohne den sonst in Abu Dhabi notwendigen nationalen Partner in Anspruch nehmen zu müssen. Steuerfreiheit ist garantiert.
Masdar hat sogar ein innovatives Finanzierungsmodell geboren: Neben Direktinvestitionen hat man sich einen Finanzierungsmechanismus ausgedacht, der sich auf das Kyoto-Protokoll stützt. Darin verpflichten sich die Industrieländer, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Folgerichtig steigt man ins Geschäft mit handelbaren Emissionszertifikaten ein. In der Fachwelt spricht man von “carbon finance”. Damit sind Investitionen in Treibhausgas-Minderungsprojekte gemeint, mit denen die gewonnenen Emissionsreduktionen handelbar gemacht werden. Auf den Punkt gebracht: Der Umweltschutz soll einen Teil von Masdar finanzieren.
Masdar Institut für Wissenschaft und Technologie
Natürlich wird sich ADFEC in der “grünen Stadt” ansiedeln, genau so wie das Masdar Institut für Wissenschaft und Technologie. Dieses hat sich bereits die Kooperation mit dem berühmten MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Boston gesichert. Das hilft dabei, an das internationale Forschungsnetz angeschlossen zu werden, denn schließlich gilt es, neben den Forschungsprojekten Studienabschlüsse und Promotionen sicherzustellen. Aus Deutschland sind die RWTH in Aachen und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt eingebunden. Auf dem Programm der Forscher stehen alle Bereiche der erneuerbaren Energien, wie z. B. Umweltplanung, nachhaltige Verkehrssysteme, Wasser- und Abwassermanagement, Sonnenkollektoren und Solarstrukturen für Gebäude oder solarthermische Turmkraftwerke und Wasserentsalzung mit Elektrodialyse. Fachleute vom MIT trauen Abu Dhabi zu, in 10 Jahren führende Fachkompetenz bei Wasserstoffantrieb, Kohlenstoffbindung, Photovoltaik, Solarenergie und Energiespeicherung erlangt zu haben.
Mehr Information: www.masdaruae.com
Text: Barbara Schumacher
Fotos: Asda’a