Bundespräsident Wulff besucht mit Diplomatischem Corps Gotha, Ilmenau und Weimar
Mittwoch, 17. November 2010
Zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands führte die jährliche Informations- und Begegnungsreise des Bundespräsidenten mit dem Diplomatischen Corps in eines der neuen Bundesländer, nach Thüringen. Als einen besonders typischen Teil Deutschlands, "gewissermaßen das Ebenbild des romantischen Deutschland" bezeichnete es Bundespräsident Christian Wulff in seiner Begrüßungsrede anlässlich des Mittagessens, zu dem er seine Gäste in das Schloss Friedenstein in Gotha eingeladen hatte. Der Bundespräsident betonte weiter die Verwurzelung Thüringens in der deutschen Geschichte, denn in diesem Land übersetzte Martin Luther die Bibel ins Deutsche, wirkten mit Gothe und Schiller die führenden Köpfe der deutschen Klassik und mit den Philosophen Fichte, Schelling und Hegel die Begründer des deutschen Idealismus. Thüringen als ein herausragendes Symbol für deutsche Geschichte betonte auch in seiner Dankesrede für das Diplomatische Corps dessen Doyen, der Apostolische Nuntius, S. E. Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset.
Doch die Reise, die dem Bundespräsidenten zweieinhalb Monate nach seiner Wahl ins neue Amt erstmalig die Gelegenheit bot, das gesamte Diplomatische Corps zu treffen, führte nicht nur zu Höhepunkten der deutschen Geschichte, sondern auch an Orte des innovativen Deutschland.
Hierfür stehen in Thüringen beispielhaft die 1894 gegründete Technische Universität (TU) Ilmenau und das Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT). Dort wurden die über 150 Botschafter und Vertreter internationaler Organisationen von Ilmenaus Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber und Benno Kaufhold, dem Landrat des Kreises Ilm, sowie von TU-Rektor Prof. Dr. Peter Scharff und Institutsleiter Prof. Dr. Karl-Heinz Brandenburg begrüßt und mit den Forschungsschwerpunkten bekannt gemacht. 6.500 Studenten, davon zehn Prozent aus dem Ausland, studieren an der einzigen TU Thüringens. Höhepunkt des Besuchs waren Erläuterungen der Wissenschaftler u. a. zur Photovoltaik und eben zur Digitalen Medientechnologie. 65 Prozent aller Photovoltaik-Unternehmen, erfuhren die Gäste, befinden sich in Deutschland mit einem weltweiten Marktanteil von 18 Prozent. Höhepunkt war die Demonstration der Arbeiten des IDMT, dessen Leiter Prof. Brandenburg der Erfinder der MP3-Technologie ist. Neben Softwaretechnologien für die audio-visuelle Medizintechnik beeindruckte die Gäste vor allem das Akustik-System IOSONO, das mit seiner ausgefeilten Rundum-Beschallung das Hörerlebnis eines Konzertsaals ermöglicht. In einem Hollywoodkino wird es bereits eingesetzt.
Abschluss und Höhepunkt des Thüringen-Besuchs bildete der Rundgang durch Weimar, gefolgt vom Empfang durch die Ministerpräsidentin des Landes, Christine Lieberknecht. Wie unter einem Brennglas vereint die 65.000-Einwohner-Stadt Wegmarken der deutschen Geschichte. An einigen von ihnen führte der kurze Stadtundgang vorbei: am Goethe- und am Schillerhaus, am Deutschen Nationaltheater, in dem 1919 die Weimarer Verfassung für ein erstes demokratisches Deutschland erarbeitet und beschlossen wurde, und an der protestantischen St. Peter-und-Paul-Kirche, in der der Philosoph Herder predigte. Zudem ist Weimer der Gründungsort des "Bauhauses".
Drei bis vier Millionen Bildungsreisende besuchen Weimar jährlich, verriet Oberbürgermeister Stefan Wolf seinen internationalen Gästen beim Abschlussempfang in der "Hochschule für Musik Franz Liszt", auch sie ein Höhepunkt der Kulturhauptstadt Europas des Jahres 1999. Benannt ist die weltweit anerkannte Bildungseinrichtung mit einer Außenstelle in Südkorea nach dem Komponisten, Pianisten und Dirigenten Franz Liszt, der Weimars Musikleben von 1843 bis zu seinem Tod 1861 prägte. Ministerpräsidentin Lieberknecht freute sich in ihrer Ansprache, dass das Diplomatische Corps in ihrem Land und der Stadt zu Gast sei, in der Goethe den Kosmopolitismus erfunden habe.
Bundespräsident Wulff erinnerte zum Abschluss nicht nur daran, dass man aus der Geschichte lernen könne, von der man an diesem Tag in Thüringen sehr viel erfahren habe. Er dankte zugleich dem Land und den drei gastgebenden Städten, dass man Tradition und Innovation habe sehen und erleben können. i
Rainer Schubert