Treffpunkt der deutsch-arabischen Wirtschaft
Die Ghorfa veranstaltet das 13. Deutsch-Arabische Wirtschaftsforum
Donnerstag, den 1. Juli 2010

Höhepunkt des 13. Deutsch-Arabischen Wirtschaftsforums in Berlin war die Rede von Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle beim Galadinner vor über 500 Vertretern aus Wirtschat und Politik. Er nannte den Veranstalter, die Ghorfa (Arab German Chamber of Commerce and Industry), den ”Treffpunkt” der deutsch-arabischen Wirtschaftsbeziehungen. Der Minister drückte seine Verbundenheit mit der arabischen Welt aus, die sich dadurch zeige, dass er in diesem Jahr bereits zweimal die Region besucht habe, und zwar im Januar Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jemen sowie Libanon, Syrien, Jordanien und Ägypten im Mai. Er lobte die sehr engen Beziehungen und die festzustellende Diversifizierungspolitik der arabischen Länder. Besonders wichtig sei für die deutsche Außenwirtschaftspolitik die Einbindung der leistungsfähigen kleinen und mittelständischen Unternehmen. Um die Beziehungen noch enger werden zu lassen, sei für die Zukunft, so schloss der Minister seine Rede, ein stärkerer Austausch junger Menschen und Studenten notwendig.
Zusammen mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Generalunion der Kammern für Industrie, Handel und Landwirtschaft hatte die Ghorfa das Forum vom 2. bis 4. Juni ausgerichtet.
Zwei Tage lang diskutierten dessen Teilnehmer über die Perspektiven der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die sich in jeder Branche bieten: Bauwirtschaft, Energieeffizienz, Telekommunikation, Logistik, Finanzdienstleistungen, Umwelttechnologie, Verkehrsinfrastruktur. Gerade in dieser Branche hat die deutsche Industrie in diesem Jahr durch zwei Abkommen der Deutschen Bahn AG zum Ausbau der Eisenbahnnetze in Katar und in den Vereinigten Arabischen Emiraten ihre Leistungsfähigkeit bewiesen. Beabsichtigt ist, die gesamte Golfregion durch den Schienenverkehr zu vernetzen.
Der starke Besuch des Sonderworkshops "Doing Business in Iraq" signalisierte das starke Potenzial, das die Vertreter der deutschen Wirtschaft in dem Zweistromland sehen. Sie wünschen sich allerdings noch eine bessere Sicherheitslage dort resp. die Anerkennung der deutschen Behörden der bereits eingetretenen verbesserten Sicherheit, um so den wirtschaftlichen Austausch zu befördern.
Auf großes Interesse stieß auch das Podiumsgespräch über die Rolle der Frauen in der arabischen Wirtschaft, die bemerkenswerte Fortschritte verzeichnet. Immerhin ist über die Hälfte der Studierenden weiblich.
Der große Anteil junger Menschen in der arabischen Bevölkerung – 36 Prozent sind unter 15 Jahre alt - wertete der stellvertretende Außenminister Omans, Sayyid Badr bin Hamad Albusaidi, in der Abschlussdiskussion über die Perspektiven der deutsch-arabischen Wirtschaftbeziehungen als Chance und Herauforderung. Mit Recht wünschte sich Ghorfa-Präsident Dr. Thomas Bach eine - beispielsweise im Vergleich zu China oder Brasilien - bessere und damit der Wirklichkeit besser entsprechende öffentliche Wahrnehmung der Bedeutung der arabischen Länder für die deutsche Wirtschaft. Dies zeige sich daran, dass im Krisenjahr 2009 die deutschen Ausfuhren in die arabischen Länder mit 13,4 Prozent geringer geschrumpft seien als Deutschlands Exporte insgesamt. Die gingen 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 18,4 Prozent zurück.
von Rainer Schubert