Zonen der Zukunft
Tanger: Aufstrebende Metropole für Wirtschaft, Kultur und Tourismus Zonen der Zukunft
Dienstag, 25. Januar 2011

Seit Marokkos König Mohammed VI. vor vier Jahren den Plan verkündete, der verarmten Region Tanger-Tétouan einen Wirtschaftsaufschwung mit Freizonen, Industrie und Arbeitsplätzen - auch in neuen Hotelzentren - zu verordnen, geht es bergauf. In der Region leben 2,5 Millionen Menschen, und sie zählt zu den dynamischsten des Königreichs, wozu der neue Hafen Tanger Med einen entscheidenden Beitrag leistet.
Boomende Wirtschaft mit guten Investitionsmöglichkeiten
Will man etwas über die großen Investitionsprojekte der Region Tanger-Tétouan erfahren, oder sich über Investitionsmöglichkeiten informieren, dann ist man im Regionalen Investitionszentrum in Tanger richtig, wo sich potenzielle Investoren aus aller Welt, auch aus Deutschland, die Klinke in die Hand geben. Nur an deutschen Investoren mangelt es immer noch, obwohl sie höchst willkommen wären. Über die vielfältigen Möglichkeiten informierte sich eine deutsche Wirtschaftsdelegation der EMA (Euro-Mediterranean Association for Cooperation and Development e.V. – www.ema-germany.org) im Oktober 2010. Neben Besuchen bei Verbänden und Unternehmen stand auch die Kultur auf dem Programm.
Hafen Tanger Med: Wachstumsmotor mit Blitzstart

Der neue Hafen Tanger Mediterrané gehört seit der Eröffnung des ersten Bauabschnitts 2007 zu den gefragtesten Besuchsstätten für Wirtschaftsdelegationen aus aller Welt, die von Bachir Sentissi, Manager für Verkaufsentwicklung der Hafenbehörde, empfangen werden. In der neuen Empfangshalle mit Fenstern vom Boden bis zur Decke hat man einen großartigen Überblick über den Hafen mit Containerschiffen, Containerstapeln an Land und riesigen Kränen. In der Ferne sieht man Gibraltar, das nur 14 Kilometer entfernt ist, Fahrzeit etwa 30 Minuten – hier ist die schmalste Stelle der Straße von Gibraltar. Modelle des Hafens und seiner Umgebung - ersonnen durch den französischen Architekten Jean Nouvel - können besichtigt werden, sodass man einen guten Eindruck von der zukünftigen, endgültigen Größe und Ausdehnung bekommt. Bachir Sentissi zeigt auf das Gelände, das für das zweite Containerterminal vorgesehen ist: "Derzeit haben wir Kapazität für drei Millionen Container pro Jahr, mehr als acht Millionen sollen es nach kompletter Fertigstellung 2015 werden. Der Hafen ist so angelegt, dass die größten und modernsten Containerschiffe hier anlegen können. Für 2015 haben wir ferner die Abfertigung von sieben Millionen Passagieren, zwei Millionen PKW, 700.000 Lastwagen und zehn Millionen Tonnen Kohlenwasserstoffen jährlich geplant. Seit 2010 kommen am Passagierterminal an neun Kais Passagierfähren und -schiffe an. Die Fahrgäste gelangen sicher mit dem neuen Zug vom Bahnhof des Hafens nach Tanger – in 45 Kilometer Entfernung. Das PKW-Terminal ist mit zwei Kais seit Ende 2010 in Betrieb, genauso wie das Frachtterminal. Die verschiedenen Schifffahrtslinien erreichen von Tanger Med weltweit über 50 Häfen. Mit modernstem Gerät und bestens qualifizierten Mitarbeitern können wir am Containerterminal bis zu 5.000 Container pro Schiff und Tag bewegen. Die 16 Shore to Sea Gantry Kräne und die 50 rollenden Gantries können bis zu vier Riesencontainerschiffe gleichzeitig be- und entladen, und die Kaikräne, die eine Höhe von 88 Metern haben, heben Lasten von über 50 Tonnen und schaffen zwischen 25 und 30 Ladebewegungen pro Kran je Stunde". Es versteht sich von selbst, dass der Hafen mit weltbekannten Partnern zusammenarbeitet, wie APM Terminals und Eurogate-Contship sowie Maersk Line, MSC und CMA-CGM als Reeder. Sämtliche Hafendienstleistungen, das Management der Infrastruktur, Hafenkoordination, etc. liegen im Verantwortungsbereich der Tanger Med Hafenbehörde. Bereits bei der Anfahrt ist unschwer zu erkennen: Tanger Med ist Hafen, aber auch voll integrierte Logistikplattform und mit einer Fläche von 50.000 qm Ausgangspunkt für die notwendige Infrastruktur: Bahnlinie, Straßen und Autobahnen, die den Hafen mit allen größeren Städten und Zentren des Landes verbinden. 2015 wird Tanger Med der größte Hafen am Mittelmeer sein in strategisch günstiger Lage, an der sich 20 Prozent des gesamten Schiffcontainertransports der Welt bewegt.
Tanger Med Logistik Freizone
Das gilt auch für die zum Hafen gehörende Tanger Med Logistik Freizone, die von Medhub gemanagt wird. Man verfolgt das ehrgeizige Ziel, eine der führenden Logistikzonen Europas, der Mittelmeerzone und Westafrikas zu werden. Omaar Chair, Direktor von Medhub, ist seit der Eröffnung der Freizone im Dezember 2008 hier. "Die Synergie zwischen Hafen und Freizone liegt auf der Hand: sie wird durch eine einzige Zollstelle erreicht. Wir bieten alle Logistikaktivitäten, Vertriebs- und Lieferdienstleistungen nach internationalen Maßstäben an. Medhub dient auch als Lagerstätte für Güter, die für andere Freizonen Marokkos bestimmt sind. Die Güter können darüber hinaus gesammelt, verpackt, etikettiert und qualitätskontrolliert werden. Das spart Kosten und Zeit". Investoren, die in Medhub oder anderen Freizonen um Tanger investieren, haben folgende Vorteile: Vollständige und dauerhafte Befreiung von Mehrwertsteuer, Zöllen, Gebühren, Kapitalbesteuerung sowie langzeitige Grundstücksmieten. In den ersten 15 Jahren sind keine Unternehmenssteuern zu zahlen, die ersten fünf Jahre sind frei von Körperschaftssteuern, danach fallen 8,75 Prozent in den folgenden 20 Jahren an. Es gibt keine Grenzen für die Einfuhr und Ausfuhr von Kapital, und falls sich an diesen Regeln etwas ändern sollte, wird das dem Investor 20 Jahre vorher angekündigt. Medhub dient dem Investor als "One stop shop., Hier bekommt er alles aus einer Hand: von qualifiziertem Personal zu angemessenen Vergütungen über infrastrukturelle Notwendigkeiten wie Wasser, Elektrizität, Müllabfuhr und
Telekommunikationseinrichtungen bis zu Sicherheitsdienstleistungen internationalen Standards. Ob Lager oder Büroräume: in der ersten Bauphase sind diese Einrichtungen auf einer Fläche von 33 ha vorhanden, die nach und nach auf 250 ha ausgebaut werden. Von schüsselfertigen Lagerhallen über Büros bis zu erschlossenen Grundstücken ist alles zu haben. Die Lager haben eine Größe von 300 qm bis 40.000 qm, sind klimatisiert, haben Büros und können sowohl für Lager- oder Vertriebszwecke als auch für leichte Industrietätigkeit genutzt werden. Wer lieber sein eigenes Lager bauen will, kann das tun. Dafür stehen Grundstücke ab 10.000 qm zur Verfügung. Büroraum, basierend auf einem Modulkonzept, ist in Größen zwischen 50 qm und 500 qm zu haben. Die Mietdauer beträgt zwölf Monate.
Blühende Kultur: Auf den Spuren von Bowles und Delacroix

Nicht weit vom Südtor zur Medina liegt die frühere amerikanische Gesandtschaft. Sie fungiert als historisches Museum und eignet sich hervorragend zur Einstimmung in die Entdeckung der Stadt. Die ehemalige Heimat amerikanischer Diplomaten von 1821 bis 1961, ein großzügiges Haus in der Medina mit Innenhöfen und dem original erhaltenen Mobiliar, ist ein Ort historischer Premieren: Marokko war 1777 das erste Land, das die Unabhängigkeit der USA anerkannte. Das Haus war das erste Gebäude für diplomatische Zwecke, das jemals von den USA bezogen wurde – im Jahr 1821. Vom US-Innenministerium wurde es 1882 als erstes und bis heute einziges historisches Wahrzeichen im Ausland gewählt. Heute ist das Gebäude als Museum jedermann zugänglich. Man spürt den Hauch der Geschichte und hat die Wahl zwischen dem Studium historischer Dokumente, der Betrachtung einer wundervollen Gemäldesammlung berühmter Künstler in allen Räumen oder dem Versinken in der Bibliothek. Wer wenig Zeit hat, kauft für 30 Euro das Buch "Enchantment", in dem die Geschichte des Hauses und die Dokumentation der Gemäldesammlung enthalten sind. Im Buch "Yesterday’s Perfume" der bekannten amerikanischen Fotografin Cherie Nutting gibt es Informationen über den amerikanischen Schriftsteller Paul Bowles (30.12.1910-18.11.1999) und seine Kreise, die in Tanger wirkten. Bowles, dem viele internationale Schriftsteller und Maler folgten, weilte erstmals 1931 in Tanger, kehrte 1947 mit seiner Frau zurück und ließ sich für 30 Jahre in Tanger nieder, wo er 1999 starb. Berühmt wurde er durch seinen Roman "Himmel über der Wüste", den Bertolucci verfilmte. Gerald Loftus, seit kurzem neuer Museumsdirektor, durfte gleich nach Dienstantritt ein vielfältiges Programm zur Feier des hundertsten Geburtstags von Paul Bowles zusammenstellen. Das Museum dient auch als Forschungsstätte, Kultureinrichtung für Konferenzen und Konzerte und als Bildungszentrum für die Alphabetisierung der Frauen der Medina.
Nach dem Besuch der amerikanischen Gesandtschaft beschließt man am besten, sich in der Medina mit ihren malerischen Gassen und Plätzen zu verlaufen. Spätestens jetzt versteht man, warum Tanger und speziell die Medina, die man als Gesamtkunstwerk bezeichnen kann, so viele Künstler angezogen hat. Bögen überspannen die Gassen, es geht bergauf durch Licht und Schatten über uralte Stufen, die Hauswände variieren in der Farbe von rosa über gelb bis ocker. Die Rue Ibn Battuta führt direkt zum kleinen Mausoleum des berühmten Sohnes der Stadt, nach dem auch der Flughafen benannt ist. Folgt man der steilen Gasse, gelangt man zu einem großen Tor, das in den Bereich der Kasbah führt, deren zentraler Platz durch die Architektur der ihn umgebenden, schneeweißen Gebäude beeindruckt. Neben Privathäusern, dem ehemaligen Gefängnis (heute geschlossen und nicht als solches erkennbar), der Galerie Laure Welfing (für Design und Innenarchitektur), dem Club für traditionelle Musik (in dem Senhaji Abdelouahid als Mitglied des Ensembles Ibn Arabi die Oud spielt) dem Café Le Salon Bleu (mit dem weitesten Blick über die Medina und die Bucht von Tanger mit Hafen) liegt hier der Kasbah Moschee der Sultanspalast Dar Al Makhzen zu Füßen, heute Museum. Der Konservator des Museums und Archäologe Abdelaziz El Idrissi führt persönlich durch neun Räume des Palastes mit Exponaten aus der Geschichte der Stadt, von den Ursprüngen über die Islamisierung, die portugiesische Besetzung, die Zeit der Alawiten bis zum Thema Religion und Begräbnisrituale. Schon allein wegen seiner Architektur mit Säuleninnenhof und verwunschenem Garten im marokkanisch-andalusischen Stil mit Brunnen lohnt das Museum den Besuch.
Tourismus: große Pläne für die Region Tanger-Tétouan
Marokko ist eine gefragte Touristendestination. Die steigende Beliebtheit wird an den Zahlen deutlich: 2001 kamen vier Millionen Touristen ins Land, 2010 sind es bereits über neun Millionen. Neben den bestehenden Destinationen will nun auch der Norden Touristen mit drei großen Küstenprojekten anlocken, die ineinander übergehen und die Entwicklung der Küsten an Atlantik, der Straße von Gibraltar und Mittelmeer umfassen.
Wer Tanger im 20. Jahrhundert kannte, traut seinen Sinnen kaum. Die Stadt hat sich herausgeputzt, riecht gut, ist sauber und sicher. Der einst berüchtigte Hafen soll zu einem attraktiven Touristenfreizeitzentrum entwickelt werden, bereits jetzt gibt es einen malerischen Yacht- und Fischerhafen zu Füßen des Königlichen Yachtclubs. Die einzige, noch übrig gebliebene Fähre von und nach Algeciras spuckt ab und zu meist spanische Touristen aus: das ist die große Stunde der fliegenden Händler, die ansonsten unsichtbar bleiben. Der einzelne Besucher kann also heute ungestört zu jeder Tages- und Nachtzeit durch die Stadt flanieren, das Flair der berühmten Plätze Grand und Petit Soco genießen, zahlreiche Kunstgalerien besuchen, heftige Bautätigkeit in den modernen Stadtvierteln und die Entstehung einer neuen Touristenzone am südlichen Ende der weiten Bucht beobachten: zahlreiche neue Hotels sind schon hier und vieles andere auch: von Burgerketten bis zu westlicher Disco-Musik, die durch die Nächte hallt. Wer Ruhe und Ursprünglichkeit sucht, ist daher besser in der Medina aufgehoben. Hier bietet sich in Hanglage das renovierte Hotel Continental an: eine Institution mit langer Tradition und wechselvoller Geschichte, die weit gereiste Insider aus aller Welt zu schätzen wissen. Für 42 Euro pro Zimmer wohnt man allein oder zu zweit in einem marokkanischen Palast und genießt das französische Frühstück, das auf der großen Terrasse serviert wird, die auch nachmittags Ziel vieler Besucher ist, denn der Blick über den Hafen, die große Moschee und die französischen Kolonialhäuser ist unvergesslich. Außerdem kann man in Erinnerungen schwelgen, denn schon Paul Bowles, Humphrey Bogart und weitere Prominente gehörten zu den Gästen dieses ältesten Hotels in Tanger, bezeugt durch Bücher und eine historische Fotoausstellung in den vielen Gesellschaftsräumen des Hotels, das auch über einen großen Basar verfügt.