Berlin - Stadt der Wissenschaft
Saudischer Prinz Salman überzeugt sich von der Qualität der Forschungslandschaft Berlins
Donnerstag, 1. Juli 2010
"Der Berliner Senat hat ein großes Interesse an einer Vertiefung der Zusammenarbeit mit unseren arabischen Partnern auf wirtschaftlichem, wissenschaftlichem und kulturellem Gebiet", ließ Berlins Bürgermeister und Wirtschaftssenator Harald Wolf zum Besuch Seiner Königlichen Hoheit Prinz Salman bin Abdulaziz Al Saud in Berlin verlauten, dem Gouverneur der saudi-arabischen Provinz Riad.
Wissenschaft und Kultur standen im Mittelpunkt der Berlin-Visite, zwei Gebiete, die nicht nur zu den Hauptpfeilern der Berliner Wirtschaft gehören, sondern in der deutschen Hauptstadt auch Tradition haben.
Allein 29 Nobelpreisträger verzeichnet die Humboldt-Universität, die dieses Jahr das Jubiläum ihres 200-jährigen Bestehens feiert, darunter so berühmte Wissenschaftler wie der Physiker Albert Einstein, der Chemiker Otto Hahn und der Mediziner Robert Koch.
Humboldt-Universität, Freie Universität, Technische Universität und Universität der Künste: das sind vier staatliche Universitäten in Berlin, von denen die Freie Universität aufgrund ihres Zukunftskonzepts "International Network University" zu den neun deutschen Eliteuniversitäten zählt. Etwa 100.000 Studierende (Stand: Wintersemester 2008/ 2009) zählen die vier Berliner Unis.
Aber das ist längst nicht alles. Hinzu kommen vier Kunsthochschulen, sechs Fachhochschulen und weitere 21 private wissenschaftliche Hochschulen und Fachhochschulen sowie über 70 außeruniversitäre Forschungsinstitute mit mehr als 50.000 Beschäftigten, darunter so bekannte Einrichtungen wie die Fraunhofer-Gesellschaft oder die Max-Planck-Gesellschaft. Über 13 Prozent der deutschen Patentmeldungen aus der Wissenschaft stammen aus Berlin.
Hervorzuheben ist der Wissenschafts- und Technologiepark WISTA in Berlin-Adlershof, eine Zusammenfassung von Gründerzentren, außeruniversitären Forschungsinstituten und einem Medienzentrum auf einer Fläche von 4,2 qkm. Zu einem Teil beherbergt der Wissenschaftspark auch den Humboldt-Unicampus. WISTA ist ein Technologiepark für Unternehmer. 800 Unternehmen sind in Adlershof angesiedelt (davon 400 High Tech Firmen), die mit 14.000 Beschäftigten etwa zwei Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften.
WISTA stand natürlich an ganz prominenter Stelle auf dem Besuchsplan des Prinzen Salman, dem Gouverneur von Riad, und seiner Delegation während seines Berlin-Aufenthalts vom 30. Mai bis zum 2. Juni. In Adlershof stellten Unternehmen der Energie- und Verkehrstechnik sowie der Gesundheits- und Wasserwirtschaft ihre Leistungsfähigkeit vor. Das Interesse von saudischer Seite zur Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen an zukunftsweisender Technologie aus diesen Bereichen ist groß. Die vorhandenen guten Kontakte Berlins sind dabei von Vorteil. Hardy R. Schmitz, Geschäftsführer der WISTA-Management GmbH, freute sich darüber, "gemeinsame Projekte zwischen Saudi-Arabien und der Hauptstadtregion zu diskutieren." Organisiert hatte WISTA die Veranstaltung im Technologiezentrum zusammen mit dem Klinikkonzern Vivantes und der Berlin Partner GmbH.
Ein weiterer Programmpunkt, den der Bruder des Königs von Saudi-Arabien, Abdallah bin Abdulaziz Al Saud, bei seinem Berlin-Besuch auf Einladung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit mit Vergnügen absolvierte, war die Besichtigung des Pergamonmuseums und des Museums für Islamische Kunst, des einzigen Museums seiner Art in Deutschland und eines der bedeutendsten außerhalb der islamischen Welt. Gegenüber dem Direktor des Museums, Dr. Stefan Weber, der dem Prinzen die Sammlung in arabischer Sprache erläuterte, äußerte der königliche Besuch mehrmals seine Bewunderung über die bedeutenden Ausstellungsstücke und sprach über Möglichkeiten zukünftiger Zusammenarbeit mit dem Berliner Museum.
Einen Höhepunkt der prinzlichen Visite bildete die erstmalige Verleihung der Kant-Medaille der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die S.K.H. aus der Hand von Akademiepräsident Prof. Dr. Dr. Günter Stock verliehen wurde.
Mit der neu geschaffenen Kant-Medaille werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich in herausragender Weise um die Förderung von Bildung und Wissenschaft im internationalen Kontext verdient gemacht haben. Der Geehrte initiierte u. a. das interaktive Wissenschaftszentrum Prince Salman Science Oasis in Riad. Er ist Präsident der Riyadh Philantropic Society for Science, hat den renommierten Prince Salman Price for Research Excellence ausgelobt und fördert zahlreiche Hochschulen.
Zudem ist er im medizinisch-sozialen Bereich engagiert, u. a. als Ehrenvorsitzender des Komitees des Roten Halbmondes, als Vorsitzender des Koordinierungsrates der Wohlfahrtsgesellschaften des Königreichs Saudi-Arabien, als Gründer und Präsident des Prince Salman Centre for Disability Resarch sowie als Ehrenvorsitzender zahlreicher weiterer karitativer Einrichtungen.
Berlins Wirtschaftsstaatssekretärin Almuth Nehring-Venus wünschte sich während der Verleihungszeremonie eine nachhaltige und fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Königreich Saudi-Arabien.
Berlin ist hierfür ein guter Ort, denn die Stadt hat eine reiche wissenschaftliche Tradition, die sich nicht auf die 200-jährige Geschichte der Humboldt-Universität beschränkt. 300 Jahre Charité sowie 300 Jahre erstes Statut der Akademie der Wissenschaften sind in diesem Jahr ebenfalls zu feiern und, im Jahr darauf, 100 Jahre Max-Planck-Gesellschaft und Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft sowie 350 Jahre Staatsbibliothek zu Berlin.
Neben den eingangs beispielhaft genannten Nobelpreisträgern haben noch etliche andere Gelehrte in Berlin Wissenschaftsgeschichte geschrieben, so z.B. der Ägyptologe Karl Richard Lepsius, der Erfinder des Computers, Konrad Zuse, oder Gottfried Wilhelm Leibniz, der als letzter Universalgelehrter gilt. In Berlin schrieben die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm ihre "Geschichte der deutschen Sprache". Gerhard Ertl, der Nobelpreisträger des Jahres 2007 für Chemie, forscht in Berlin.
Berlin gedenkt seiner Wissenschaftstradition und feiert mit einer großen Ausstellung vom 24. September 2010 bis zum 9. Januar 2011 im Martin-Gropius-Bau: "WeltWissen. 300 Jahre Wissenschaft in Berlin."
Auch für die Zukunft gilt: Wissenschaft schafft Internationalität. Der Besuch des saudischen Prinzen Salman hat es eindrücklich demonstriert.
von Rainer Schubert