Kunst in Katar
Mathaf: Museum Moderner Arabischer
Kunst in Doha eröffnet
Donnerstag, den 31. März 2011

Durch den Umbau eines ehemaligen Lehrgebäudes in der Education City der Qatar Foundation durch den französischen Architekten Jean-Francois Bodin gelang es, einen würdigen Rahmen für die Gemälde-Sammlung von Sheikh Hassan bin Mohamed bin Ali Al-Thani, stellvertretender Vorstand der Qatar Museums Authority (QMA), zu schaffen. Die Errichtung von Mathaf passt zu den ehrgeizigen Zielen der unter der Schirmherrschaft des Emirs stehenden QMA, als deren Vorstand seine Tochter Sheikha Al Mayassa bint Hamad bin Khalifa Al-Thani fungiert. Mit der Eröffnung des inzwischen weltberühmten Museums für Islamische Kunst Ende 2008 hat man sich bereits dank des unermüdlichen Einsatzes von Sheikha Al Mayassa große Verdienste erworben, und nach Mathaf zeichnen sich weitere neue Projekte am Horizont ab: der Bau eines neuen Nationalmuseums, entworfen von Jean Nouvel (der auch den spektakulären Bau des zukünftigen Louvre Museums auf Saadiyat Island in Abu Dhabi ersonnen hat) sowie Forschungsvorhaben im Bereich der Archäologie und vieles mehr.

Dia al Azzawi
Gang durch das Museum
Der Besucher bewundert Skulpturen auf dem Außengelände und betritt das Museum über die überdachte Außenterrasse des Cafés. Es folgt ein Gang entlang großer Flächen, die für Videos und Filmproduktion am Abend genutzt werden. Im Inneren des Gebäudes wirkt Mathaf mit moderner und informeller Ästhetik. Den Empfang beherrschen die überdimensionalen Porträts des Herrscherpaares, angefertigt von einem chinesischen Künstler. Das Gebäude bietet auf einer Fläche von 5500 qm Gemäldegalerien auf zwei Stockwerken, ein Café, einen Museumsladen, eine Forschungsbibliothek und einen "Bildungsflügel"- getreu der Erkenntnis, dass Kunst die Tendenz hat, Menschen und Ideen zusammenzubringen, und dafür will man das komplette Ambiente schaffen. Die Sammlung von Sheikh Hassan umfasst über 6.000 Werke von Künstlern aus der arabischen Welt, darunter so berühmte Namen wie Paul Guiragossian, Dia Al Azzawi oder Fateh Al Moudarres. Die Werke stammen aus der Zeit zwischen den 1840er Jahren und heute. Sie geben einen Überblick über die Entwicklung der modernen arabischen Kunst, die in dieser Form einmalig ist. Die Sammlung wird in Teilen gezeigt – ein dankbares Betätigungsfeld für Kuratoren, um die Gemälde nach bestimmten Kriterien wie Themen, Malstilen, Kunstrichtungen, etc. zusammenzustellen. Bildung wird in Katar ganz groß geschrieben, also gehört es zum Konzept der Bildungsstrategen, dieses Museum nicht nur für die Präsentation der Gemäldesammlung oder für Sonderausstellungen zu nutzen, sondern mit Mathaf auch eine Plattform – real und virtuell – für Dialog, Forschung und Stipendiatentum auf globaler Ebene zur Verfügung zu stellen. Ziel ist, mit Mathaf auf diese Weise Kuratoren, Künstler, Schriftsteller, Studenten sowie ein breit gefächertes, an Kunst interessiertes Publikum anzusprechen um somit nicht nur die Kulturlandschaft der Golfregion zu bereichern, sondern den gesamten Mittleren Osten und die arabische Diaspora zu erreichen.
Sheikh Hassan:
Sammler, Kunstmäzen und Künstler

Fast drei Jahrzehnte lang hat Sheikh Hassan bin Mohamed bin Ali Al-Thani, der als langjähriger und engagierter Förderer arabischer Kunst und Künstler gilt, seine Gemäldesammlung zusammengetragen. Als er in den 1980er Jahre seine Leidenschaft für die Malerei entdeckte und mit dem Sammeln von Gemälden begann, wurde das nur von wenigen wahrgenommen. Zuerst kaufte er Werke katarischer Künstler, wobei er durch Yousif Ahmed, einem abstrakten, katarischen Maler beraten wurde, der die Beratung auch auf Künstler der übrigen Golfstaaten ausdehnte. Später kamen Gemälde von Künstlern des 20. Jh. aus dem Mittleren Osten, Nordafrika und der arabischen Diaspora hinzu und sogar Objekte, die viele moderne arabische Künstler inspirierten, wie vorislamische Arbeiten aus Mesopotamien und dem alten Ägypten. "Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, umso neugieriger wurde ich. Also besuchte ich Vorlesungen über Kunstgeschichte während meines Studiums an der Qatar University und nahm Kontakte auf mit Künstlern, die ich auf meinen Reisen in der Region traf. Mit ihnen teilte ich das Interesse für kreative Experimente. Meine Sammelleidenschaft bestimmte mein Leben, und zwanzig Jahre später hatte ich eine private Sammlung, die Werke der einflussreichsten Maler der arabischen Welt umfasste", so Sheikh Hassan. Im Jahr 1994 stellte er einen Teil seiner Sammlung in einer nur Insidern bekannten Villa aus, die zeitweise Ort für Künstlerseminare und Zufluchtsort irakischer Künstler war. Durch die ständigen Kontakte mit den Künstlern, die er förderte, wurde Sheikh Hassan selbst zu künstlerischer Kreativität herausgefordert: er experimentierte auf der Leinwand, entdeckte die Bildhauerei und künstlerische Fotografie. Das Interesse an Kunst zeigt eine steigende Tendenz. "Diese Entwicklung kann jedoch nur anhalten, wenn Künstler, Sammler, Kuratoren und das an Kunst interessierte Publikum die heutigen künstlerischen Errungenschaften mit den Kunstströmungen der Vergangenheit in Verbindung bringen können. Mit der Präsentation einer Kunstsammlung, die über einen Zeitraum von fast 200 Jahren reicht, will Mathaf die Diskussion über arabische Kunst anregen und dazu beitragen, die künstlerische Kreativität in der arabischen Welt zu vertiefen", so Sheikh Hassan.

Musuemsbibliothek
Eröffnungsausstellung
Noch bis zum 28. Mai 2011 sind drei Eröffnungsausstellungen zu sehen, deren Ziel es ist, neue Perspektiven im Arabischen Modernismus aufzuzeigen:
Ausstellung "Sajjil": Exponate sind Gemälde von über hundert arabischen Künstlern, die zu den besten Werken der Gemäldesammlung von Sheikh Hassan gehören. Das arabische Wort Sajjil bedeutet den "Akt des Festhaltens". Die Ausstellung ist so organisiert, dass sich verschiedene Themen überschneiden, bei denen Ideen sich chronologisch treffen und sowohl Zusammenhanglosigkeit als auch Brüche Teil der Präsentation sind.
Ausstellung "Interventions": Zu sehen sind Werke fünf arabischer Künstler, die nicht nur aus der Sammlung von Sheikh Hassan stammen, sondern für diese Ausstellung angefertigt wurden. Diese Künstler, die maßgeblich die Entwicklung der Malerei in der arabischen Welt geprägt und beeinflusst haben, in Kunstmuseen weltweit vertreten sind und deren Werke bei internationalen Auktionen Rekordsummen erzielen, sind: Dia Azzawi, Farid Belkahia, Ahmed Nawar, Ibrahim el-Salahi und Hassan Sharif. Ausstellungsort ist ein Raum innerhalb des Museums für Islamische Kunst – ein gelungener Schachzug, denn damit ist auch dieses Museum in die Eröffnungsveranstaltungen von Mathaf einbezogen.
Ausstellung "Told/Untold/Retold”: Dies ist die erste große Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Doha. Neue Werke 23 zeitgenössischer Künstler, die ihre Wurzeln in der arabischen Welt haben, präsentieren sich den Besuchern. Das zentrale Thema ist "Geschichten erzählen", wobei sich die Malerei nicht als fertiges Gemälde zum Anschauen zeigt, sondern als "ein Ort der Navigation, der erforscht werden will".
Barbara Schumacher
Fotos: Barbara Schumacher und Mathaf