Abu Dhabi – Tourismus und Umweltschutz
Das größte und reichste Emirat Abu Dhabi hat über 200 natürliche Inseln. Bei den wirtschaftlichen, touristischen, kulturellen und umwelttechnischen Konzepten ehrgeiziger
Projekte auf Inseln und Festland arbeiten das staatliche Investitionsunternehmen Mubadala, die Tourism Development & Investment Company (TDIC) und die Abu Dhabi Tourism Authority (ADTA) Hand in Hand.
Freitag, 16. Dezember 2011
Die Tourismus-Ziele des Emirats, die auf einem Fünfjahresplan der Tourismusbehörde ADTA basieren, werden immer ehrgeiziger.Neben den bisherigen Quellmärkten Großbritannien, USA, Indien, Deutschland, Ägypten, Frankreich, Saudi-Arabien und Italien will man neue Märkte ansprechen, und der Business-Markt soll 2011 vom Tourismusmarkt überholt werden– dank einer Vielzahl neuer Attraktionen. Mittelfristig will man 2,7 Millionen Hotelgäste pro Jahr in das Emirat locken."Der Tourismus wird die Wirtschaft stimulieren und zu ihrer Diversifizierung beitragen,neue Möglichkeiten für den Privatsektor schaffen und das internationale Ansehen des Emirats steigern", so heißt es in der Agenda 2030 des Executive Council von Abu Dhabi. Man ist auf einem guten Weg. Der Plan für 2012 sieht 2,3 Millionen Besucher und 30.000 Hotelzimmer vor. Da ist es hilfreich, wenn eine Studie von Forschungsspezialisten um YouGov Siray Abu Dhabi als "beste Stadt" in der MENA (MiddleEast und North Africa) Region ausmachte.Abgefragt wurden Wirtschaftsfaktoren, Rechte von Arbeitnehmern sowie Kriterien hinsichtlich Umwelt, Lebensqualität und Gesellschaftskultur. Die Plätze zwei und drei belegen Muscat und Sharjah.
Wachstum in jeder Hinsicht
Die Zahlen der Besucher des Emirats AbuDhabi verzeichnen eine beeindruckende Entwicklung: von 960.000 im Jahr 2004 auf 1,65 Millionen 2010. Im Hinblick auf die ehrgeizigen weiteren Tourismuspläne spielen die Entwicklungen auf Saadiyat Island in unmittelbarer Nähe von Abu Dhabi City eine große Rolle. Die Bauarbeiten für die futuristischen Museumsbauten schreiten voran, schließlich will man den Louvre Abu Dhabi und das Zayed National Museum im September 2013 und das Guggenheim Museum im Dezember 2013eröffnen, und da ist für den Ansturm der internationalen Besucher vorzusorgen.Das erfordert einen sukzessiven Ausbau der Hotelkapazitäten. Gegenüber 2010 werden bereits 15 Prozent mehr Hotelgäste erwartet, nämlich 1,9 Millionen. Zuden 22.000 Hotelzimmern im gesamten Emirat sollen 2011 bis zu 5.000 weitere hinzukommen, und der Beitrag des Tourismus zum Nicht-Öl-Bruttosozialprodukt soll um 0,4 Prozent auf 11,5 Prozent steigen.Bei den Tourismusplanungen spielt Etihad Airways eine wichtige Rolle. Die nationale Fluggesellschaft hat das Ziel, bis 2020 jährlich 25 Millionen Fluggäste zubefördern in einem erweiterten Netzwerk,das dann 100 Urlaubs- und Geschäftsdestinationen umfasst. Derzeit werden 66 Routenmit 57 Flugzeugen beflogen.
Sechs neue Hotels- von TDIC initiiert
ADTA und TDIC arbeiten eng zusammen,wie sich auch in der Personalunion zeigt:Mubarak Al Muhairi ist Managing Director von TDIC und Director General von ADTA.TDIC ist zuständig, wenn es um die Entwicklung gigantischer Tourismus-, KulturundApartmentprojekte geht. Allein 1.600 Hotelzimmer und Luxuswohnungen werden in diesem Jahr durch TDIC mit der Fertigstellung von sechs außergewöhnlichen Projekten bereitgestellt – teilweise hinsichtlich der Hotelmarken als Premieren:St. Regis baut das St. Regis Saadiyat Island Resort, in einem joint venture zwischenTDIC und Al Farida Investments CompanyLLC entsteht erstmals ein Rocco Forte Hotel, auch ein Westin Hotel & Spa wird esgeben, sowie das Eastern Mangroves Resort& Spa – alle drei in Abu Dhabi City. ImJuni wurde bekannt, dass Anantara das Eastern Mangroves managen wird. Dieses Hotel des neuen Eastern Mangroves Distrikts mit Marina, Unterhaltungseinrichtungen und Luxuswohnungen am 1,2km langen Mangroven-Strand soll im Januar2012 eröffnet werden. Zwei neue Lodgeswerden von TDIC auf der Insel Sir Bani Yas gebaut. In allen diesen neuen Häusern will man die zunehmende Menge von Besuchern der wachsenden Zahl vonnationalen und internationalen Kulturund Sportereignissen, die Abu Dhabiimmer attraktiver machen, unterbringen.Die Häufung so vieler internationaler Hotelketten in einer Stadt ist schonerstaunlich, vor dem Hintergrund, dass inden letzten drei Jahren bereits das Desert Island Resort & Spa by Anantara auf Sir Bani Yas, das grandiose Qasr Al Sarab miteigener Palastanlage für die Herrscherfamiliein der westlichen Wüste und in Abu Dhabi City Shangri-La Hotel, Traders Hotel, Park Rotana und Fairmont Bab AlBahr ihre Tore öffneten.
Saadiyat Island:Initiativen zum Umweltschutz

Diese 27 km² große Insel beschäftigt seit Jahren die Medien wegen ihrer spektakulären Museumsprojekte im Kulturdistrikt: Louvre, Guggenheim, Theater, Schifffartsmuseum und das Sheikh Zayed National Museum erhitzen wegen ihrer Architektur die Gemüter. In den weiteren sechs Distrikten werden Wohngebiete entstehen und Hotels gebaut. Insgesamt zehn Hotels wird es geben, und um das Jahr 2020 werden 150.000 Einwohner auf der Insel leben. Die Verkehrsanbindung an Abu Dhabi City und den Flughafen ist vorbildlich. Einer unabhängigen Studie unter Leitung des Wall Street Journal zufolge soll Saadiyat Island einmal zu den zehn "trendigsten" Touristen zielen der Welt gehören. Die Einzelheiten erfährt man in der aufwändig gestalteten Dauerausstellung über die Insel, die es im Manarat Al Saadiyat seit 2010 zu sehen gibt. Diese Ausstellung ergänzt die ständige Präsentation im Hotel Emirates Palace, sie ist jedoch größer, aktueller und detaillierter. Noch in diesem Jahr soll bereits das erste Hotel fertig werden: Abu Dhabi National Hotels (ADNH) eröffnet das Fünf-Sterne Park Hyatt Resort in unmittelbarer Nähe zum Saadiyat Beach Golf Club, der von TDIC im Frühjahr 2010 eingeweiht wurde und das Tournier Saadiyat Beach Classic austrägt. Das geplante St. Regis Saadiyat Island Resort wird dann folgen als erstes einer Kette von Luxushotels, die sich am Strand von Saadiyat Island aneinanderreihen. Angekündigt sind bereits: Shangri-La Hotel (Fertigstellung 2012), Saadiyat Rotana Resort (Fertigstellung 2013) und Mandarin Oriental Hotel and Residences (Fertigstellung 2013). Wer das Saadiyat Insel Feeling unmittelbar erfahren möchte, besuche den Monte Carlo Beach Club, der im Frühjahr 2011 eröffnet wurde. Bei einer solchen Entwicklung in einem bisher unbewohnten Naturparadies ist die Frage nach dem Erhalt der Umwelt legitim.TDIC hat konkrete Maßnahmen ergriffen, die Mangroven, Dünen und Schildkröten zu schützen.
Mangrovenbaumschule

Mangroven wachsen an vielen Küsten der 200 Inseln im Emirat Abu Dhabi. Bereits auf dem Weg vom Flughafen Abu Dhabinach Abu Dhabi City kann der aufmerksame Besucher rechter Hand ein großes Mangrovengebiet entdecken, das besonders gut von den hier im Bau befindlichen Hochhäusern zu überblicken sein wird. Auch Saadiyat Island verfügt über ein Mangrovengebiet, das unverändert bestehen bleibt. Ein großer Teil dieser Mangroven(avicennia marina) wurde in den1970er Jahren gepflanzt – auf Veranlassung von Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan.Diese Mangroven haben bis heute eine beachtliche Dichte und Höhe erreicht, zur Freude der Meeresfauna und der Vogelwelt. Besonders viele weiße Reiher sind hier zu beobachten. Die Idee, die für Mangrovengünstigen Bedingungen für die Umweltinitiative "Mangroven Baumschule"zu nutzen, hatte TDIC vor drei Jahren.TDIC - für die gesamte Entwicklung von Saadiyat Island zuständig - hat sich von Anfang an den Schutz der Umwelt auf die Fahnen geschrieben. Über die Mangroven-Baumschule gibt es im Manarat al SaadiyatInformationen. Zukünftige Touristen auf Saadiyat Island werden mit den Mangrovenin Berührung kommen. TDIC leistet sich einen nur für Saadiyat Island zuständigen Umweltmanager mit Büro im TDIC Gebäude auf der Insel. Im Allradauto geht es vorbei an der grau verhängten "Experimentierpyramide" mit der Aufschrift "Rain of Light" für den zukünftigen Louvre, durch den Wüstensand zur Baumschule. Hier wurden 400.000 Mangroven gepflanzt. Der Blick gleitet übereine unübersehbare Menge der kugelförmigen etwa drei cm Durchmesser großen Samen in winzigen, mit Sand gefülltenTöpfchen, die dicht an dicht im seichten Meerwasser stehen – bei Ebbe im Trockenen,bei Flut nur wenig mit Wasser bedeckt. Wenn die Früchte reif sind,sehen sie aus wie kleine, gelbe Zitronen,sobald sie trocken werden und braune Farbe annehmen, werden sie von Handgepflückt, in die Töpfe gepflanzt und dann im Meerwasser ausgesetzt. Versuche,die Samen in Süßwasser groß zu ziehen,sind gescheitert. Es dauert etwa ein Jahr, bis die Pflänzchen eine Höhe von 30 Centimeter erreichen, dann sind sie groß genug, um an die Umweltbehörde weitergegeben zu werden, die sie dazu verwendet,die Mangrovenbestände an den Küsten der Inseln zu vergrößern – gut für die Umwelt, denn Mangroven sind immer grün, produzieren Sauerstoff und bieten Schutz und Nahrung für Fische und Vögel.Die unter wissenschaftlicher Leitung stehende Baumschule hat bereits einige Millionen Mangroven produziert – mit Hilfe eines Ägyptischen "Gärtners" und seinem zehnköpfigen indischen Helferteam.Zu einem späteren Zeitpunkt soll sie für einheimische Schulklassen und internationale Besuchergruppen zugänglich sein.
Ein Herz für Schildkröten
Nicht nur die Mangroven brauchen Schutz, sondern auch die auf Saadiyat Island lebenden Schildkröten. Sie sind inden Dünen der Insel anzutreffen, und sowohl die Sanddünen als auch die Panzertiere stehen im Rahmen eines wissenschaftlichen Erhaltungsprogramms im Interesse von TDIC. In den nächsten Jahren wird auf Saadiyat Island weiterhin rege Bautätigkeit herrschen - eine Herausforderungan den Umweltschutz.TDIC hat strenge Regeln hinsichtlich des Energieverbrauchs verordnet in Gestaltvieler Auflagen bei Bau, Wasserverbrauchund -aufbereitung, Abwassersystem,umweltfreundlicher Infrastruktur,Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel,Müllmanagement, etc., die schon während der Bauzeit gelten und erstrecht dann, wenn 150.000 Menschen hier leben werden. Ganz besonderes Augenmerk gilt dabei neben der Mangrovenlandschaftauch dem Dünensystem,da Dünen in den Emiraten zu deneher raren Naturerscheinungen zählen und hier die vom Aussterben bedrohen Karettschildkröten (hawksbill turtles)mit ihren Brutstätten zu Hause sind. Die Hotelresorteinrichtungen müssen aufder Länge der neun Kilometern Inselstrand einen Abstand von 60 Metern vonder Dünenkette einhalten. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass dieser Abstand, der auch während der Bauarbeitengilt, ausreicht. Bildung und Training stehen neben dem Umweltschutz ganz oben auf der Prioritätenliste von TDIC. Und als erstes lernt man, dass die Schildkröten zwischen April und Juni ihre Eier legen und die kleinen Schildkröten 50 bis 70 Tage später ausschlüpfen – mit anderen Worten: zwischen April und September ist Schildkröten-Saison.
Text und Fotos: Barbara Schumacher