Wie in Kunst und Mode clevere Geschäftsideen, viel Kreativität und Engagement in Abu Dhabi zum Erfolg führen, zeigt das Beispiel der Künstlerin, Kuratorin, Boutiqueinhaberin und Modedesignerin Sumayyah Al Suwaidi, die aus einer angesehenen emiratischen Familie stammt.
Freitag, 16. Dezember 2011
Im Mittleren Osten stehen die Emirate derzeit an der Spitze einer höchst dynamischen Bewegung in Kunst und Kultur. Junge Künstler nutzen die Palette kreativer Medien, "Artist in Residence" - Projektenehmen zu, Auktionen internationaler Auktionshäuser, Galerien und Stiftungen wachsen wie Pilze aus dem Boden, für Kuratoren eröffnen sich neue Betätigungsfelder,Kunstsammler und Sponsorenouten sich, Kunstmessen und Biennalen werden professioneller, und seit 2010 sind die Emirate mit einem eigenen Pavillon auf der Biennale in Venedig vertreten. Diesalles passt in die Strategie der Regierung,die im Rahmen von Institutionen und Ministerien selbst aktiv ist; vor allem sind da die Kulturbehörden in Abu Dhabi und Dubai zu nennen, TDIC (Tourism Development& Investment Company) in Abu Dhabi sowie die Ministerien für Kultur und für Bildung.Fruchtbarer Boden für Innovation und Kreativitätist also bereitet. Blitzkarrieren von Frauen in Kunst und Mode wären noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen, und sicherlich hätte niemand der Modeindustrie den jetzigen Boom zugetraut. Summayah Al Suwaidi ist mit ihrer Energie ein Beispiel einer außergewöhnlichen Karrierefrau und nicht aufzuhalten. Ihr Bildungshintergrund sind Masterabschlüsse in "Artand Culture", sowie "Creative Industry"(mit Marketing, Betriebswirtschaft und Personal). Sie hat neben ihrem Beruf, fünf Kinder zu erziehen (zwei eigene und drei,die ihr Mann in die Ehe brachte), noch vier weitere Jobs:
Emiratische Pionierinin digitaler Kunst
"Erst langsam beginnen die Menschenmeine Kunst, die auf Frauendarstellungen in einer künstlichen Phantasiewelt fokussiert,zu verstehen. Die meisten stehen immer noch verständnislos vor meinen Werken, die ich ausschließlich am Computer kreiere, wenn sie in Ausstellungen – vorallem regelmäßig in der Ghaf Galerie - zusehen sind", so Sumayyah. Die Ghaf Galerie war die erste Kunstgalerie in Abu Dhabi. Ihr Ehemann Jalal Luqman, selbst bekannter Künstler, gehört zu den Gründern. Ghaf (benannt nach dem widerstandsfähigen Baum, der in den VAE weit verbreitet ist) gehört zu den aktivsten Galerien in Abu Dhabi, inzwischen gibt es fünf (in Dubaisind es weit über 100). Als über die Innenausstattung des Burj Khalifa in Dubai nachgedacht wurde, entstand die gute Idee,jedes Stockwerk mit Werken eines emiratischen Künstlers auszustatten. Vier Werke von Sumayyah hängen im 50. Stockwerk:"In diesen Werken geht es um Frauen, diesich mit Pfauen umgeben. Die stolzen Pfauen haben es mir besonders angetan wegen ihrer Eleganz, Schönheit und Einzigartigkeit".Die "Ladies’ Section" im ArmyOfficer’s Club in Abu Dhabi ist mit 15 ihrer Werke ausgestattet, ihre Bilder hängen in den Räumen der Kulturbehörde von Dubai,und als TDIC nach Werken von zehn emiratischen Künstlern für die Ausstattung der Botschaft der VAE in Washington D.C.suchte, war sie mit einem Bild dabei. Aufvielen internationalen Ausstellungen ist siemit ihrer Kunst vertreten, auch auf Auktionenbei Christie’s. Ihre Doktorarbeit ist im Entstehen: "Das Thema der Digitalkunst verlangt danach, entsprechend aufgearbeitet zu werden. In meiner Doktorarbeit,die ich am Higher College for Technologyin Abu Dhabi schreibe, bewerte und vergleicheich die Digitalkunst mit traditioneller Kunst und beantworte die Frage,warum dem Publikum traditionell gemalte Bilder besser gefallen".
Kuratorin

Seit 2007 ist Sumayyah für spezielle Ausstellungenin der Ghaf Galerie als Kuratorintätig. Besonders erwähnenswert sinddabei ihre Aktionen zur Förderung junger Nachwuchstalente. Dazu lädt sie regelmäßig auch bisher völlig unbekannte Künstlerein, eine Arbeit im Format 30x30 cm einzureichen. Die Ausstellung, die sich aushunderten dieser Werke ergibt, zeigt die Vielfalt der emiratischen Kunst und dieneuen Wege, die in diesem Bereich beschritten werden. Die Qualität ihrer Arbeit hat sich herumgesprochen, und so wurde sie von der Kulturbehörde Abu Dhabisals Kuratorin der Eröffnungsausstellung des neuen Al Qattara Art Centers in Al Ain, die im März 2011 stattfand, verpflichtet.Dabei ging es um eine Präsentationder bekanntesten Künstler der Emirate,die mit je einem Werk vertreten waren,allen voran Abdulqader Al Rais, dem international bekanntesten VAE-Künstler ausDubai. Regelmäßig gibt es Sonderaktionen:Im August 2011 organisierte sie zum vierten Mal den Ramadan Art Bazaar in Dubai - eine Verkaufsausstellung derWerke von 20 internationalen Künstlern,die heute in den Emiraten leben.
Unternehmerin mit Auszeichnungen

Seit drei Jahren ist Sumayyah Eigentümerinder Boutique "Grafika" mit zwei Ange-stellten in der Al Wahda Mall in Abu Dhabi. Die Boutique verkauft Damenkleider,Abayas und Accessoires, die dem besonderen Geschmack Sumayyahs entsprechen.Die Kleider sind farbenfrohe, elegante Modelle, oft mit "gewagten" Ausschnitten,natürlich nur tragbar, wenn bei privaten Festlichkeiten die Frauen unter sichsind, hergestellt aus edlen Stoffen wie Seide, Chiffon und Georgette. Die Abayassind aus schwarzem Jersey, "Bahraini" oder "Al Nida" – Spezialstoffe, die den fließenden Fall dieser traditionellen Kleidungsstücke garantieren - mit phantasiereichen Applikationen aus Stickereien, Federn,Perlen, Edelsteinen, Pailletten, etc, wie siein den Golfstaaten immer mehr in Modekommen, sowie meist handgefertigte Accessoires, wie Gürtel, Modeschmuckund Handtaschen. Die Kollektionen stammenaus den Emiraten, Libanon, Pakistan
Modedesignerin

Warum nicht selbst Damenmode kreieren? Im Januar 2011 wurde die entsprechende Idee geboren. Also fertigte sie erst einmal Skizzen für fünf Kleider an und gab diese einem ihr bekannten Inder zum Nähen. Der kam gut mit ihrem speziellen Geschmack und ausgefallenen Designwünschen klar. Bevor die fünf Kleider fertig waren, hatte Sumayyahauch ihr Logo erdacht: "seen by Sumayyah Al Suwaidi"(seen=Buchstabe "s" auf Arabisch). "Die fünf Modellkleider waren in wenigen Tagen verkauft. Ich gebe zu,dass ich ganz am Anfang etwas Angst vor meiner eigenen Courage hatte, aber dieser Erfolg hat mich beflügelt, und ichhabe zehn weitere Modellkleider und zehn reich dekorierte Abayas entworfen.Das war meine erste Kollektion im März2011, und sie war ebenfalls schnell verkauft. In den Golfstaaten gibt es einen großen Bedarf an ausgefallenen Kleidern,und wohlhabende Frauen suchen stets Neues und Besonderes. Allein für Ramadan braucht man etwa 30 Kleider für die nächtlichen Parties – und das jedes Jahr aufs Neue", so Sumayyah. Die Kundinnen kommen hauptsächlich ausAbu Dhabi, Dubai und Al Fujairah. "Der Erfolg macht mich fast süchtig. In meinerzweiten Kollektion will ich besonders elegant und exklusiv sein, mit noch mehr Applikationen. Neben Chiffon und Seide will ich auch Samt aus Deutschland verarbeiten.Ich stelle mir vor, dass ich solche Kleider nicht nur in meiner Boutique sondern auch in anderen Ländern verkaufen kann, vielleicht in großen Kaufhäusern wie SAKS, Bloomingdale und Galéries Lafayette, am Anfang jeweils 20 Kleider. Erstmals habe ich 2011 an derMeine Kunst findet in einem Phantasieraumstatt, in dem ich ganz allein sein will.Solange ich die Stoffe für meine Kleidernicht selbst drucke, gibt es keine Relationzwischen meiner Kunst und meinerMode". Auf die Frage, was sie zum 40-jährigenJubiläum ihres Landes meint, klingtes stolz und begeistert: "Ich bin zwar erst 1980 geboren, aber trotzdem stolz darauf,dass wir in 40 Jahren mehr erreichthaben, als andere Länder in 400 Jahren. Es ist eine unglaubliche Entwicklung, und ichbin Teil der Kreativität, die ihr zugrundeliegt, auf jeden Fall im Bereich Kunst und Mode. Mein Land hält meine Hand und wirgehen gemeinsam in eine noch bessere Zukunft". Jährlichen, im Oktober stattfindenden Dubai Fashion Week, für die eine Teilnahmegebühr von 25.000 Dirham (ca.5.000 Euro) zu zahlen ist, mit 40 Modellkleidernteilgenommen".
Kunst und Mode
Das international viel diskutierte Thema ist auch in den Emiraten angekommen.Auf der Art Dubai im März 2011 wurde esim Rahmen des Global Art Forum mehrtheoretisch behandelt. Sumayyah verkörpertbeide Themen ganz konkret und praxisbezogen in einer Person und hat fürsich ein überraschendes Konzept. "Meine Kunst hat derzeit keinen Einfluss aufmeine Mode. In der Mode bin ich ganznüchtern. Ich meine, ein wahrer Designer würde nur kreieren, was selbst gefällt freilich orientiert am Geschmack der Zeitund an gesellschaftlichen Umfeldern.
Barbara Schumacher
Fotos und Grafik: Sumayyah Al Suwaidi und Barbara Schumacher